Mai
2006

Offshoring & Wettbewerb

E-3 Magazin Mai 2006, Seite 40, Wirtschaft

Hexaware-Chef Gerrit Hermes warnt vor Offshoring-Defizit in Deutschland

Die deutsche Wirtschaft hinkt bei der Auslagerung ihrer Informationstechnologie in Niedrigkostenländer wie Indien ihren europäischen Nachbarn  deutlich hinterher. Was kurzfristig hochbezahlte Arbeitsplätze in Deutschland erhält, gefährdet mittel- bis langfristig die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen, warnt Gerrit Hermes, Geschäftsführer des IT-Dienstleisters Hexaware Technologies.

Hexaware-Chef Gerrit Hermes stützt sich dabei auf Hexaware-eigene Recherchen sowie Erkenntnisse aus aktuellen Studien der Association for Computing Machinery (ACM) und der National Association of Software and Service Companies (NASSCOM). Demnach nutzen nur 15 Prozent der deutschen Wirtschaft (Kleinbetriebe ausgenommen) die Kostenvorteile von bis zu 40 Prozent, die sich durch Offshoring der Informationstechnologie ergeben. Damit bildet Deutschland das Schlusslicht im europäischen Vergleich. An der Offshoring-Spitze steht Großbritannien: 61 Prozent der Unternehmen auf der britischen Insel (ohne Kleinbetriebe) lassen ihre IT-Aufgaben zumindest teilweise in Indien und anderen Offshoring-Ländern erledigen. Werden alle europäischen Firmen unabhängig von der Betriebsgröße berücksichtigt, liegt der Off-shoring-Anteil bei rund fünf Prozent. In den USA nutzen hingegen etwa 20 Prozent aller Unternehmen die Vorteile des Offshoring.

„Wenn die deutsche Wirtschaft nicht zügig stärker auf Offshoring setzt, bleibt sie auf einem Kostenberg in zweistelliger Milliardenhöhe sitzen“, warnt Hexaware-Geschäftsführer Gerrit Hermes vor den Folgen der Off-shoring-Verweigerung: „Der mit Offshoring verbundene Arbeitsplatzexport stellt das kleinere Übel dar im Vergleich zum Konkurs ganzer Wirtschaftszweige, falls diese ihre IT-Kosten nicht auf das international übliche Niveau absenken.“ Hermes verweist auf Schätzungen, wonach zwischen zwei und drei Prozent der IT-Arbeitsplätze in Europa bis zum Jahr 2015 durch Offshoring abgebaut werden sollen. Für Deutschland gehen Experten von rund 50.000 durch die IT-Verlagerung ins Ausland verloren gegangene Arbeitsplätze aus.

Die USA, die mit rund 80 Prozent Weltmarktanteil die globale Software- und Servicesbranche beherrscht, bereitet sich in viel stärkerem Maße auf die neue Form der internationalen Arbeitsteilung durch Offshoring vor, zieht Hermes den Vergleich. Er verweist auf Expertenschätzungen, wonach zwischen zwölf und 14 Millionen Arbeitsplätze in den USA aufgrund der IT-Auslagerung ins Ausland auf der Kippe stehen, wobei Indien der mit Abstand wichtigste Offshoring-Partner der US-Wirtschaft ist.

Der auf den ersten Blick dramatischen Entwicklung am Arbeitsmarkt steht eine prognostizierte Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der US-Wirtschaft durch Offshoring gegenüber, die nachhaltige Impulse für Millionen neuer Arbeitsplätze gibt. „Wir müssen aufpassen, dass die USA und Indien nicht als die lachenden Gewinner und Europa und speziell Deutschland als der weinende Verlierer aus dem globalen Offshoring-Trend hervorgehen“, warnt Gerrit Hermes.

Schon heute kommen 16 der 20 weltweit größten Hersteller von Standardsoftware und elf der 20 weltweit führenden IT-Dienstleister aus den USA. Die indischen Software- und Services-Anbieter auf der anderen Seite expandieren mit durchschnittlichen Zu-wachsraten von 20 bis 25 Prozent pro Jahr, Hexaware mit 28 Prozent Umsatzplus im letzten Jahr sogar noch überproportional. Parallel dazu steigt die Größe der Projekte, die in Offshore-Länder ausgelagert werden. Lag 1991 die durchschnittliche Projektgröße beim Off-shoring nach Indien noch bei fünf Mannjahren, so waren es im vorletzten Jahr bereits 20 Mannjahre. „Noch ist die Europäische Union nach den USA der zweitgrößte Markt für Software und Services. Aber es steht zu befürchten, dass Europa in diesem Ranking auf den dritten Platz hinter Asien abrutscht“, sagt der Hexaware-Geschäftsführer.

Hexaware setzt auf eine Dual-Strategie, die sowohl im Heimatland Indien als auch auf den wichtigsten Kernmärkten Europa und USA neue Arbeitsplätze schafft. So sucht die Hexaware Technologies GmbH derzeit IT-Spezialisten für ihr Softwareentwicklungs- und Beratungszentrum in Frankfurt am Main. Das Geschäftsmodell des Konzerns sieht vor, dass zwar weite Teile der Programmier- und Serviceaufgaben in Indien erledigt werden, aber auch wesentliche und vor allem kundennahe Entwicklungs- und Beratungsleistungen beim Kunden vor Ort in Deutschland bzw. dem jeweiligen westlichen Land erbracht werden.

Hexaware Technologies gehört mit der Präsenz an drei Börsen in Europa und Asien zu den weltweit führenden Anbietern von Business Process Outsourcing (BPO). 1992 von Atul Nishar in Indien gegründet, betreibt Hexaware heute zehn qualitätszertifizierte Softwareentwicklungs- und Betriebszentren in Asien, Europa und den USA. Mehr als 100 überwiegend große Firmenkunden profitieren vom Onsite-Offshore-Outsourcingmodell des Konzerns: Durch Beratung vor Ort (Onsite) und Programmierung in Regionen mit niedrigen Entwicklungs- und Wartungskosten (Offshore) bei einem Rund-um-die-Uhr-Service entstehen für die Kunden Kosteneinsparungen von bis zu 40 Prozent. Hexaware betreibt zahlreiche betriebskritische IT-Systeme für Banken, Versicherungen, Fluggesellschaften und andere Großkunden, um eine reibungslose Geschäftstätigkeit zu garantieren. Auf der Referenzliste stehen u.a. Citibank, Deutsche Bank, Deutsche Leasing und Lufthansa. Zum Kreis der Technologiepartner von Hexaware gehören u. a. IBM, Microsoft, Oracle und Sun; mit IBM betreibt Hexaware ein Center of Excellence.

Quelle: www.hexaware.de

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