IT-Optimierung
E-3 Magazin Juni 2007, Seite 42, Coverstory
Realtech: Basisarbeit für SAP-Services, IT-Consulting und ERP-Innovationen
SAP-Partner Realtech besitzt in der Community ein Alleinstellungsmerkmal: Aus wissenschaftlicher IT-Basisarbeit entwickelt das Unternehmen eigenständige Produkte und Dienstleistungen für die ERP-Szene der SAP-Bestandskunden. Die IT-Wurzeln und das umfassende Basiswissen machen Realtech zu einem einzigartigen Partner. Eine Betrachtung von E-3 Chefredakteur Peter M. Färbinger
Gleich zu Beginn manifestiert Nicola Glowinski, Vorstandsvorsitzender der Realtech AG, dass Realtech aus der SAP heraus entstanden ist und erklärt weiter: „1994 wurde das Unternehmen von vier ehemaligen SAP-Mitarbeitern gegründet, damit waren wir von Beginn an auf Dienstleistungen im Umfeld der SAP-Basistechnologie fokussiert. Dort konnten wir die ersten Großaufträge gewinnen, bei denen es sich hauptsächlich um Migrationen handelte.“
Die Themen aus dieser Zeit entsprachen den Bedürfnissen der damaligen Community und widerspiegelten sich nicht nur bei Realtech, sondern auch in den Aktivitäten der Anwendergruppen sowie bei den SAP-Bestandskunden: Monitoring, Betriebsadministration, Going-Live, Early Watch, Remote Services sowie System Tuning und Upgrades. Es war der Beginn des weltweiten R/3-Erfolgs. Es war die Suche nach einem umfassenden ERP-System, das alle Geschäftsprozesse integriert und konsistent darstellen kann. Diese Herausforderung gelang SAP gemeinsam mit seinen Partnern wie Realtech. Ausgestattet mit umfassendem Informatik-Basiswissen entstand eine einzigartige ERP-Community, und SAP entwickelte sich zum weltweiten ERP-Marktführer. In diesem IT-Szenario war der Erfahrungsaustausch, die Diskussion sowie IT-Forschung und Produktentwicklung besonders wichtig.
„Die Kernkompetenzen der Realtech sind und waren alle Technologie-Themen“, erzählt Nicola Glowinski, Vorstandsvorsitzender, nicht ohne Stolz auf die erfolgreiche Historie, „wir stammen aus der Basis- und Technologie-Beratung, und genau diese Kompetenz haben wir uns bis zum heutigen Tag erhalten. Mittlerweile haben wir uns jedoch zu einem Unternehmen entwickelt, das sich darüber hinaus ganz stark mit allen Themen rund um NetWeaver und Enterprise SOA beschäftigt.“Mit R/3 Enterprise, NetWeaver, der Business Process Platform, dem Solution Manager etc. hat sich das ERP-System der SAP geöffnet und funktional um ein Vielfaches multipliziert. Hierzu gehören nicht nur die einzelnen NetWeaver-Komponenten wie Enterprise Portal, XI (die SAP Exchange Infrastructur), Business Intelligence und Knowledge Management, sondern auch und im Besonderen strategische Themen. Nicola Glowinski erklärt im Detail, dass Realtech mit der NetWeaver-Strategieberatung seinen Kunden die Möglichkeiten der Prozessoptimierung anbietet und somit einen nachhaltigen Mehrwert zur SAP-Technologie anbietet. „Hier schließt sich der Kreis zur Technologieberatung“, betont Glowinski, „denn schlussendlich ist es die Technologie, die das Fundament für die Optimierung und Flexibilisierung darstellt. Hier sehen wir ein entscheidendes Differenzierungsmerkmal zum größten Teil unserer Mitbewerber. Wir reichern unsere über Jahre erworbene und kontinuierlich weiterentwickelte Technologie-Expertise mit betriebswirtschaftlichem Know-how an, um Kunden ganzheitlich beraten zu können.“
Ein tiefes Verständnis für die technologischen Herausforderungen eines ERP-Systems wie R/3 und mySAP ERP 200x kann nur aufgrund langjähriger und solider Basisarbeit und Informatik-Wissen entstehen. Klassische Beratungsfirmen kommen aus dem Bereich der Business Prozess-Beratung und sind oftmals nicht in der Lage, ihre betriebswirtschaftlichen Ergebnisse aus der eigenen Organisation heraus technologisch umzusetzen. Realtech hingegen deckt die betriebswirtschaftlichen Fragestellungen und die Prozessberatungs-Themen wiederum nur rudimentär ab, ist aber bekannt dafür, die Ergebnisse aus der Prozess- und betriebswirtschaftlichen Beratung entsprechend technologisch umzusetzen. Marketingdirektor Uwe Eisinger: „Dieses Leistungsangebot haben wir in den vergangenen zwei Jahren entwickelt und im Unternehmen verankert. Die Resonanz unserer Kunden zeigt, dass wir zum einen mit unserer neuen Art und Weise, Projekte aufzubereiten, auf dem richtigen Weg sind, und zum anderen, dass Unternehmen wie Realtech auch das Vertrauen geschenkt wird, die Projekte entsprechend umsetzen zu können.
Wie wird Realtech dann im ERP-Markt, in der SAP-Community und von SAP selbst wahrgenommen? Nicola Glowinski: „Die SAP setzt im Rahmen ihrer Partnerbetreuung sehr stark auf Unternehmen, die Softwarelizenzen verkaufen. Wir verkaufen keine Softwarelizenzen und stehen daher auch nicht im Fokus der Partnerstrategie. Realtech wird immer dann als Ressource gesehen, wenn technologische Fragen unbeantwortet geblieben sind, respektive, wenn sich im Rahmen des Softwareverkaufs und der Softwareintegration technologische Fragen ergeben.“
Durch die Leistungen von Realtech im Umfeld von NetWeaver werden Softwareverkäufe initiiert. Uwe Esinger: „Wir sind heute bei Kunden und Interessenten, um zu ermitteln, inwieweit sie fähig sind, auf ERP2005 zu gehen, inwieweit sie überhaupt darauf vorbereitet sind, neue Software der SAP nutzen zu können. Software, die sie unter Umständen schon besitzen.“ Realtech zählt zu den Beratungshäusern, die gemeinsam mit den Kunden die Machbarkeit von neuen Technologien ermitteln und den Kunden bei der Umsetzung begleiten. „Diesen Sachverhalt müssen wir zukünftig noch stärker betonen, um als Partner auf höhere Akzeptanz zu stoßen“, betont Vorstand Glowinski. Möglich wird diese überlebenswichtige Basisarbeit aus den historischen Errungenschaften. Mit theGuard! 1.0 wurde in den späten 90-er Jahren ein Produkt entwickelt, das ein zentrales ERP-Monitoring (CCMS) erlaubte, was zu diesen Zeiten mit SAP-Boardmitteln noch nicht möglich war. Daraus hat sich inzwischen ein hochprofessionelles SAP-Monitoring-Produkt der theGuard! ApplicationManager entwickelt, der das Monitoring nicht nur von R/3 und mySAP ERP 200x, sondern auch komplexer heterogener Applikationslandschaften in einer Oberfläche ermöglicht. Ergänzt durch die Produkte theGuard! ServiceCenter und theGuard! NetworkManager ist eine Produktfamilie entstanden, die ein hochkomfortables Business Process Monitoring in komplexen IT-Landschaften erlaubt. Service-Prozesse können darüberhinaus ITIL-konform umgesetzt werden, um auch im Fehlerfall schnelle Reaktionen zu ermöglichen. „Auch unsere SAP Add-Ons, Produkte, die sich mit dem Schnittstellenmanagement und dem SAP-Transportwesen beschäftigen, sind historisch aus Kundenanforderungen heraus entstanden, die SAP mit eigenen Mitteln nicht erfüllen konnte“, erklärt Glowinski. Dies hat sich natürlich inzwischen, seit der Einführung von NetWeaver XI und dem SAP Solution Manager, geändert. Nicola Glowinski: „Dennoch können diese Produkte ideal als Ergänzungen dazu eingesetzt werden.“ So lassen sich beispielsweise mit dem Transport Manager Java und ABAP Transporte synchronisieren und mit den umfangreichen Monitoring-Möglichkeiten des InterfaceManagers Transaktionen bis zur Verbuchung und Information der Fachbereiche hin kontrollieren.
In diesem ERP-Umfeld mit den historischen Wurzeln und dem komplexen IT-Wissensdienst und Produktangebot von Realtech stellt sich die Frage nach dem unternehmerischen Verhältnis zur SAP: Vorstandsvorsitzender Glowinski: „Unser Verhältnis zur SAP kann man als partnerschaftlich und gut vernetzt bezeichnen. SAP selbst zählt zu unseren größten Auftraggebern. Dort schätzt man unsere Mitarbeiter insbesondere aufgrund deren hoher technologischer Expertise. Wir werden aktiv in Entwicklungsprojekte eingebunden und agieren beispielsweise im Global Support Team sogar als verlängerte Werkbank. Eine Partnerschaft, die nicht nur in Deutschland Bestand hat. Genauso wie in Walldorf sind wir auch in anderen Ländern, besonders zu nennen sind hierbei Italien, Spanien, Neuseeland und die USA, in unmittelbarer Nachbarschaft der SAP angesiedelt. Dies führt dazu, dass man eng miteinander kommuniziert und intensiv zusammenarbeitet.“ Auf der anderen Seite gibt es mitunter auch Verständnisschwierigkeiten, die aus dem Selbstzweck der Realtech und der Unternehmensausrichtung der SAP heraus zu erklären sind. Realtech verkauft, wie bereits erklärt, keine SAP Software-Lizenzen. So ist es für einige nicht offensichtlich, welche Bedeutung ein Partner wie Realtech für deren Geschäftserfolg haben kann. „Wir als ,Veredler’ von SAP-Lösungen sorgen unter dem Strich dafür, dass im Nachgang zu abgeschlossenen Projekten erneut Lizenzverkäufe möglich werden“, erklärt Nicola Glowinski das komplexe Öko-System zwischen SAP und Realtech, „SAP-Mitarbeiter, die überwiegend am direkten Verkauf von Software-Lizenzen gemessen werden, tun sich nicht selten schwer, den Mehrwert unserer Leistungen für ihre Aufgabe zu erkennen“.
Viele Marktbeobachter und ERP-Analysten sind sich jedoch einig, dass diese spezifische Rolle und Aufgabe von Realtech zukünftig noch wesentlich häufiger nachgefragt werden und eine elementare Basis für den Erfolg der SAP-Bestandskunden sowie der gesamten Community darstellen wird. Themen wie Enterprise SOA und NetWeaver bieten dem SAP-Bestandskunden eine sehr hohe Flexibilität bzw. die Möglichkeit, Geschäftsprozesse schnell an neue oder sich verändernde Marktsituationen anzupassen. Die Vision einer SOA kann der SAP helfen, auch im Mittelstand Fuß zu fassen, was sie bis dato mit der R/3- und ERP-Technologien nicht konnte. Man sollte allerdings betonen, dass dies nach wie vor eine Zukunftsstrategie ist. Viele Mitbewerber der SAP folgen jedoch dieser Vision. Ein weiteres Indiz dafür, dass aus der Vision eines Tages echtes Geschäft entstehen kann. Nicola Glowinski: „Aufgrund dessen glaube ich, dass sich in naher Zukunft im Markt einiges bewegen wird. Letztendlich entscheiden die Kunden, was von den Visionen der Anbieter zu halten ist bzw. inwieweit diese in die Realität umsetzbar sind. Aber auch hier zählt das Sprichwort, an dem sich alle Marktteilnehmer messen lassen müssen, ,Visionen ohne Aktionen sind nur Halluzinationen!’ Es ist meiner Meinung nach davon auszugehen, dass die Entwicklung Richtung SAO in zwei Phasen eingeteilt werden kann. Die erste, die wir bereits im Jahr 2010/2011 sehen, wird sich in der Hauptsache mit proprietären Lösungen beschäftigen. Web-Services, die Kunden für sich selbst innerhalb ihrer nach außen abgeschotteten Systemlandschaft entwickeln und nutzen. Phase zwei sehen wir frühestens im Jahr 2015. Diese unterscheidet sich in der Hauptsache dadurch von der ersten, dass Web-Services frei verfügbar sind und über Public Networks, wie das Internet, genutzt werden können. Dann ist SOA in seiner vollen Ausprägung Realität.“
Marketingdirektor Eisinger stellt dazu den historischen Bezug dar: „Auch wenn wir hier über ein Zukunftsthema sprechen, sind SAP-Bestandskunden gut damit beraten, ihre IT-Landschaften schon jetzt auf SOA vorzubereiten. Realtech ist heute schon dabei, diesen ,Ausbildungsauftrag’ anzunehmen. Dies passt gut in unsere Strategie. Unser Kerngeschäft ist die NetWeaver-Beratung, als Vorbereitung auf eine SOA. Diese umfasst die aktuellen Themen, mit denen sich die Kunden heute beschäftigen.“ Das Kernthema der Kunden ist aber nach wie vor die Optimierung und Harmonisierung ihrer IT-Landschaft. Trotz dieser Tatsache sind bereits viele Firmen heute bereit, sich den Zukunftsthemen, wenn auch noch nicht in Form von Projekten, anzunehmen. Die Budgets dafür und die damit verbundene Investitionsbereitschaft werden spürbar steigen, sind sich die Analysten einig. Die Zukunft der Realtech heißt Business Case Integration, d. h. Prozesse ganzheitlich abdecken zu können. Vorstand Glowinski: „Betrachtet man unsere heutige Struktur, so ist klar, dass wir alle betriebswirtschaftlichen Themen nur anreißen können bzw. nur ansatzweise abdecken. Sowohl die Prozessanalyse als auch die Prozessgestaltung können noch nicht von Realtech ganzheitlich geliefert werden. Eine Situation, an deren Verbesserung wir kontinuierlich arbeiten. Unsere Strategie, der Business Case Integrator sein zu wollen, verlangt allerdings zwangsläufig, dass wir auf diese Themen Antworten geben können.“
Um dieser Vision folgen zu können, eröffnen sich für Realtech zwei Möglichkeiten. Die eine ist organisches Wachstum und bedeutet für das Unternehmen Langwierigkeit, viel Ausbildung und Weiterbildung mit planbaren Investitionen. Die zweite Möglichkeit ist anorganisches Wachstum und heißt für die Realtech, das richtige Unternehmen zu finden, zu übernehmen und zu integrieren. Dies bedeutet, punktuell sehr viel Geld zu investieren, ohne die absolute Sicherheit des Erfolges zu haben. Das Ziel ist beiden Szenarien gleich: neue Märkte zu erschließen. Der IT-Markt widerspiegelt heute beide Szenarien mit Erfolg: Oracle, Cisco und andere kaufen kräftig hinzu, während die SAP eher vorsichtig mit Firmenzukäufen umgeht und tendenziell mehr auf organisches Wachstum setzt. Richtig umgesetzt, so erklären die IT-Analysten, können aber beide Wege zum Erfolg führen. „Die zukünftige Organisation muss alle Fragestellungen, beginnend bei der Infrastruktur über die NetWeaver-Serviceberatung bis hin zur ESOA abdecken, um als Business Case Integrator im Markt akzeptiert zu werden“, betont Vorstand Glowinski. Betrachtet man die Themen Enterprise SOA, Business Process Platform (BPP), NetWeaver und Java näher, dann findet man eine entscheidende Gemeinsamkeit. Es handelt sich um Themen, die sich aus Sicht des Marktes, also der Kunden, damit beschäftigen, unabhängiger zu werden. NetWeaver XI (Exchange Infrastruktur) stellt ein allumfassendes Schnittstellenwerkzeug dar, durch die Java-Plattform werden Programme weitestgehend unabhängig vom darunterliegenden Betriebssystem ausgeführt. Nicola Glowinski: „Enterprise SOA führt zur, man kann sagen, Atomisierung von Programmen und konzentriert sich letztendlich auf Business-Services, die von anderen Programmen genutzt werden können: Mit dem Ergebnis einer sehr hohen Flexibilität und Unabhängigkeit!“ SOA atomisiert monolithische IT-Lösungen und reduziert sie auf wiederverwendbare einzelne Business Services. Geschäftprozesse können immer wieder neu konfiguriert werden, was für das Unternehmen eine nie dagewesene Flexibilität bringt. „Und, man kann es nicht oft genug erwähnen: Unabhängigkeit“, betont Nicola Glowinski.
Die Unternehmen, SAP-Bestandskunden und die ganze ERP-Community drängen nach Unabhängigkeit. Die großen Anbieter suggerieren diesen, sie unabhängig machen zu können. Betrachtet man die Versprechungen und Wünsche, überlappend mit der Ausrichtung und Strategie der Realtech, ergibt sich für Realtech ein positives Gesamtbild. Uwe Eisinger: „Denn wir sind unabhängig, herstellerunabhängig!“ Alle diese Themen, Enterprise SOA, BPP, Java, NetWeaver etc., haben sowohl betriebswirtschaftliche als auch technologische Aspekte. Wenn man sich die Anbieter, die heute ausschließlich die betriebswirtschaftlichen Themen abdecken, näher ansieht, dann wird man feststellen, dass sie sich die technische Kompetenz in der Regel zukaufen. Vorstandsvorsitzender Glowinski: „Ich wage zu behaupten, dass die Technologie in Zukunft erheblich wichtiger wird. Das programmatische Wissen um Applikationen wird von immer beschränkterer Bedeutung werden. SOA ist nicht mehr die Applikation als solches, sondern das Wissen um Business-Prozesse und das Wissen, wie man diese Prozesse nicht nur betriebswirtschaftlich, sondern auch technologisch miteinander verbindet.“
Der ERP-Markt verändert sich und somit auch die Rollen der SAP-Bestandskunden, der SAP selbst, aber auch der Partner aus der SAP-Community. Marketingdirektor Eisinger: „Innerhalb der Anbieterlandschaft setzen wir eher auf Kooperation denn auf aggressiven Wettbewerb. Ein Konzept, das aufgrund unserer Fokussierung und Konzentration auf Technologiethemen aufgeht. Wir haben so nur wenige Berührungspunkte mit anderen Systemhäusern, die sich in der Hauptsache dadurch von uns unterscheiden, dass sie SAP-Software und/oder auch Hardware von namhaften Herstellern verkaufen.“ Realtech ist, wie bereits erwähnt, überwiegend auf SAP NetWeaver Technologie-Beratung konzentriert und vertreibt keine Software, agiert somit am Markt als herstellerunabhängiger Berater. Diese Unabhängigkeit und Fokussierung auf NetWeaver Technologiethemen hat zur Folge, dass vermeintliche Mitbewerber bzw. Systemhäuser Realtech in ihre Projekte ohne größere Probleme einbinden können und dies auch bereits tun. „Betrachten wir jetzt den Bereich der SAP-Anwenderunternehmen, so stellt sich die Rolle von Realtech innerhalb dieser Gemeinschaft etwas anders dar. Dort werden wir als glaubhafter und hochkompetenter Partner wahrgenommen“, weiß Nicola Glowinski. Ein entscheidender Grund hierfür liegt darin, dass es nicht das Ziel ist, dem ERP-Kunden Lizenzen zu verkaufen. Dabei zeichnet Realtech aus, dass kein Sekundärgeschäft mit Soft- und/oder Hardware generiert wird. Neben der vom Kunden angestrebten Lösung stehen im Rahmen eines Projektes ROI und Kostenbetrachtungen im Vordergrund. Vorstandsvorsitzender Glowinski: „Auch möchte ich an dieser Stelle betonen, dass wir innerhalb der SAP-Community zu den sogenannten Global Playern gehören.“ Viele Unternehmen innerhalb der Community sind ausschließlich lokale Anbieter bzw. beschränken sich auf den Raum Deutschland, Österreich und Schweiz. Betrachtet man die Unternehmensgröße von Realtech, so zählt das Unternehmen im Umfeld der SAP-Beratungshäuser zum oberen Drittel. Marktrecherchen haben ergeben, dass der Großteil, also rund zwei Drittel aller SAP-Beratungshäuser, unter 500 Mitarbeiter haben. Realtech liegt mit seinen rund 600 Mitarbeitern weltweit – und das als reines Beratungshaus – in einer beachtlichen Größenordnung. „Wenn wir die bereits genannten Faktoren zusammenfügen, fällt es schwer, ein Unternehmen im SAP-Beratungsmarkt zu finden, das Realtech ähnelt“, erklärt Marketingdirektor Eisinger. „Hin und wieder werden wir in Kundenprojekten mit der SAP System Integration, SAP SI, konfrontiert. Es stellt sich aber auch hier immer wieder heraus, dass sich der Wettbewerb auf einige wenige Überschneidungspunkte reduziert.“ Die Mehrheit der Mitbewerber ist im Bereich der Applikationsberatung tätig. Der überwiegende Teil der SAP-Community versteht sich als Value Added Reseller. „Dies ist nicht unser Metier“, betont Nicola Glowinski, „Aufgrund dessen treffen wir relativ selten auf Firmen wie CIBER Novasoft, Itelligence oder TDS, die darüberhinaus auch noch den Outsourcing-Markt bedienen. Ja, das sind auf den ersten Blick Mitbewerber, aber nicht im eigentlichen Sinne. Ich würde sagen, wir haben eine USP durch die Art und Weise, wie wir unsere Leistung am Markt anbieten und durch die Leistung als solches.“
Könnte sich Realtech aufgrund der hohen eigenen Wertschöpfung und Kompetenz im ERP-Umfeld in einer Competition-Sitiuation zu SAP befinden? Uwe Eisinger: „Die eigentlichen Mitbewerber der SAP sind nicht Firmen wie Realtech, sondern Firmen, die selbst im ERP-Markt tätig sind. An erster Stelle sei hier die Firma Oracle genannt.“ Sollte die Realtech im Ausnahmefall auf die SAP selbst als Mitbewerber treffen, in dem Fall eher auf die SAP SI, dann entscheidet letztendlich der Kunde. Uwe Eisinger ergänzt: „Wir verfügen über viele namhafte Referenzen, die jederzeit bereit sind, unsere Leistungsstärke zu attestieren. Last but not least zeichnet der Kunde bei demjenigen, dem er das meiste Vertrauen entgegenbringt. Entscheidend ist die Frage danach, ob die Leistung wie vertraglich vereinbart erbracht wird. Hier können wir auf eine exzellente Reputation im Markt verweisen, die uns in Wettbewerbssituationen nicht selten geholfen hat.“ Und Vorstandsvorsitzender Nicola Glowinski beschreibt die Situation folgend: „Etwas differenzierter sieht die SAP unsere Entwicklung im Softwarebereich. Realtech verfügt über Produkte, die nachweislich Kunden dabei unterstützen, ihre SAP-Systeme optimal zu betreiben. Wir selbst betrachten diese Produkte als Ergänzung zu den SAP-Boardmitteln. Dies sieht man innerhalb der SAP nicht immer so. Auch wenn hier auf den ersten Blick Wettbewerbssituationen entstehen können, so wirken sich diese glücklicherweise nicht negativ auf das Verhältnis zwischen SAP und Realtech aus.“
In Deutschland ist Realtech in drei Gebieten tätig. Vorstandsvorsitzender Glowinski erklärt es im Detail: „Unsere traditionelle Technologieberatung, im Rahmen derer wir den Kunden bei der Konsolidierung und Harmonisierung ihrer IT unterstützen und deren IT-Betrieb optimieren. Der zweite Kernbereich ist die NetWeaver-Beratung. Hierbei geht es um den optimalen Einsatz der NetWeaver-Komponenten wie Enterprise Portal, XI, Business Intelligence und den Web Application Server. Fragestellungen beispielsweise zu Archivierungskonzepten, zum SAP SolutionManager, Portalanwendungen, Portal-Security und nicht zu vergessen zur NetWeaver Strategie werden hier zusammen mit dem Kunden beantwortet und technisch umgesetzt. Der dritte Bereich beschäftigt sich mit der technologischen Umsetzung von Business-Szenarien. Auch hier steht wieder der praktische Nutzen für den Kunden im Vordergrund. Unser Ziel ist nicht zu theoretisieren, sondern dem Kunden praktische Hilfestellungen zu geben.“ Jede der Realtech-Ländergesellschaften hat in diesen Gebieten spezielle Ausprägungen entwickelt. So ist man beispielsweise in Deutschland SAP Special Expertise-Partner für EP, XI und Duet, in Spanien hingegen für mySAP CRM. Insgesamt kann jedoch beobachtet werden, dass sich das europäische Leistungsportfolio stark ähnelt. „Was uns auch die Möglichkeit gibt, ohne Probleme internationale Projekte mit Hilfe unserer ausländischen Niederlassungen umzusetzen“, erzählt Uwe Eisinger aus der Praxis. In den USA, Japan und Neuseeland stellt sich dies anders dar. Hier ist Realtech auf Themen wie Migration und Upgrades konzentriert. Projekte im NetWeaver-Umfeld sind zur Zeit noch eher der Ausnahmefall.
Die Positionierung der Realtech innerhalb der Community ist eine besondere. „Zukünftig planen wir im Rahmen unserer Neuausrichtung, ein ganzheitlicher Lösungsanbieter zu werden. Wir gehen davon aus, dass die Erweiterung unseres Leistungsspektrums mittelfristig auch zu einer veränderten Wettbewerbssituation führen wird“, definiert es Vorstandsvorsitzender Glowinski. Um am Markt überleben zu können, werden sich andere Beratungsunternehmen zwangsläufig ebenfalls neu ausrichten müssen. Uwe Eisinger: „Ich wage zu behaupten, dass wir, aus der Technologie kommend, uns erheblich stärker und attraktiver im Markt darstellen können. Technologie wird aus unserer Sicht eines der zentralen Themen“. Viele der heutigen Realtech-Mitbewerber haben das Thema Technologie nebenbei, abgedeckt. Die Mitbewerber kommen sehr oft aus der Vertikalisierung, also aus dem Application Consulting, kennen sich dafür in den klassischen R/3-Modulen Fibu, in CO, HR etc. aus. Sie wissen, wie die Programme funktionieren, aber nicht, wie man eine technologische Integration realisiert. Ein Umstand, der sich momentan auch dramatisch am Arbeitsmarkt widerspiegelt: Modulberater werden immer mehr von Technologie- und Prozess-Beratern abgelöst. Uwe Eisinger: „Sie wissen um die betriebswirtschaftlichen Fragestellungen der Kunden, aber sie wissen nicht, wie man die neuen betriebswirtschaftlichen Anforderungen der Unternehmen, nämlich bestimmte Prozesse multifunktional nutzen zu können, technisch umsetzt.“
Nicola Glowinski erklärt dazu: „Andererseits wollen wir uns in Zukunft weiterhin so positionieren, dass wir für die SAP-Beratungsunternehmen ein gewollter Partner bleiben. Der Spagat zwischen Partner und Mitbewerber scheint schwer zu werden, ist uns aber bis dato gut gelungen.” Und auch in Zukunft plant Realtech, keine SAP-Software-Lizenzen zu verkaufen. Die SAP bringt allerdings mit A1S ein Produkt auf den Markt, das gehostet werden kann. „Es wäre für mich ohne Weiteres vorstellbar, einer der bevorzugten Partner der SAP für diese Leistung zu werden“, sieht Glowinski die Zukunft, „in diesem Fall geht es nicht um den Verkauf von Software-Lizenzen, sondern um ein Leistungspaket der SAP. Letztendlich würde die SAP Lieferantin einer Leistung sein, die wir mit dem Kunden im Vorfeld konzipieren.“
Die Zukunft von Enterprise SOA
Wie wird sich die deutschsprachige SAP-Community bis 2010 entwickeln – Adaption von SOA und mySAP ERP etc.? Nicola Glowinski „Auf Seiten der Anbieter wird es eine starke Konsolidierung im Markt geben. Es werden die Unternehmen überleben und wachsen, die ein eindeutiges Leistungsprofil aufweisen. Es werden die Unternehmen ein eindeutiges Profil haben, die bereits heute stark fokussiert arbeiten. Unternehmen, die Applikationen und/oder Hardware verkaufen, Integrationsleistungen anbieten, nebenbei noch Technologie-, betriebswirtschaftliche und Prozessberatung verkaufen, sind im Regelfall Unternehmen, die ,auf allen Hochzeiten tanzen wollen’, weil sie nicht wissen, wie der Markt sich entwickelt. Ein Ergebnis ist das Fehlen der kritischen Masse in allen Teilbereichen. Unternehmen wie Realtech werden aus einem sehr stark fokussierten Bereich heraus wachsen, indem sie sich in neue Themen hineinentwickeln, zu denen sie heute schon die Schnittstellen aufweisen. Derartige Beratungshäuser gehören zweifelsfrei zu den Unternehmen, die am Markt glaubwürdig sind. Diesen Anbietern traut man zu, die entsprechenden Leistungen erbringen zu können“..
Realtech und der Mittelstand
Vorstandsvorsitzender Nicola Glowinski: „Unsere wichtigsten Kunden befinden sich im gehobenen Mittelstand. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie international agieren und ihre Strategien flexibel und pragmatisch umsetzen. Nicht selten gleicht die Unternehmenskultur und das Geschäftsmodell dem der Realtech. Flexibilität und die Fähigkeit, sich schnell an neue Gegebenheiten anpassen zu können, sind in diesem Markt entscheidende Wettbewerbsvorteile. Die daraus resultierenden Anforderungen kann die IT mit NetWeaver zukünftig erheblich besser unterstützen. Die thematische und räumliche Nähe zur SAP versetzt uns in die Lage, unser Angebot an Dienstleistungen immer auf dem aktuellsten Stand zu halten. So können wir den typischen Mittelstandskunden die gleiche Unterstützung und Betreuung bieten, die die SAP seinen strategischen Accounts zukommen lässt. Dieses Verständnis für den mittelständischen Kunden spiegelt sich auch in unserem Leistungsangebot ,Business Case Integration mit SAP NetWeaver’ wider. Realtech hat dazu einzelne Anwendungsfälle spezifiziert, die als abgegrenzte Teilprojekte schnellen Business-Nutzen für den Kunden schaffen. Wir nennen diese Anwendungsfälle ,SAP NetWeaver optimierbare Business Cases’. Hierbei handelt es sich um Teilprozesse, die sich mit den neuen Technologien der SAP einfacher, flexibler und kostengünstiger umsetzen lassen als mit den bisherigen Werkzeugen. Wir beraten den Mittelstand, wie er gezielt einzelne Bausteine seiner Geschäftsprozesse mit Hilfe von neuen SAP-Technologien optimieren kann, um daraus kurzfristigen Business-Nutzen zu generieren. Der Nachweis eines kurzfristig zu erzielenden ROI untermauert die Akzeptanz bei den Kunden aus dem gehobenen Mittelstand.“
SAP-Bestandskunden, die ERP-Community und Neukunden
Realtech ist überwiegend im Bereich der SAP-Bestandskunden tätig. Gerade die denken über Migrationen und Releasewechsel nach, respektive über Leistungserweiterung innerhalb der SAP-Software. „Hier sind wir gefragt und beraten die SAP-Kunden entsprechend ihrer unternehmens-
individuellen Situation“, erklärt Marketingdirektor Eisinger. „Bei Neukunden sind wir immer dann gefragt, wenn sie sich bereits kurz nach Installation der Software mit Portalthemen oder ähnlichem beschäftigen.“
Rund fünf Prozent der Realtech-Kunden sind bereits auf ERP 2005 bzw. haben NetWeaver im Einsatz, mit konkreten Projekten auch in Richtung Business Case Integration.
20 Prozent befinden sich derzeit im Upgradeprozess und planen diesen für das laufende Jahr 2007 ein.
30 bis 35 Prozent der Realtech-Kunden wollen den Upgrade in 2008 durchführen.
Der Rest plant den Umstieg auf ERP 2005 eher mittelfristig, d. h. in den nächsten drei bis vier Jahren.
Sehen Sie für Realtech ein stärkeres Wachstum und mehr Geschäftsabschlüsse durch den bei vielen Bestandskunden anstehenden Releasewechsel auf mySAP ERP 2005? Uwe Eisinger: „Die Frage lässt sich eindeutig mit Ja beantworten. Releasewechsel sind das Core-Business der Realtech. Wir sind der festen Überzeugung, dass, gerade wenn es um diese Thematiken geht, die Kunden, im Besonderen die Großkunden, wissen, wo die entsprechende Kompetenz zu finden ist. Wir verantworten bei vielen dieser Kunden den Releasewechsel nicht zum ersten Mal. Warum soll ein Kunde, der mit uns bereits alle anderen Releasewechsel erfolgreich gestaltet hat, nicht auf uns zurückkommen, wenn er vor der Entscheidung steht, abermals seine Software auf den neuesten technologischen Stand zu bringen. Wir versprechen uns also sehr viel von dieser Situation.“
Mit Business Intelligence zum echten Mehrwert für Unternehmen
Geschäftsprozesse erfolgreich steuern mit Business-Analysen
Zukunftsorientierte Unternehmen betrachten Informationen über die eigenen wirtschaftlichen Kennzahlen als Kapital mit strategischem Wert. Die Geschwindigkeit und Effizienz, mit der es diese Unternehmen schaffen, Vorteile aus den vorhandenen Informationen zu erzielen, wird in Zukunft darüber entscheiden, wer im Wettbewerb zu den Gewinnern und wer zu den Verlierern zählt.
Um aus Informationen reale Werte erzeugen zu können, ist jedoch mehr erforderlich als nur das Verständnis für wichtige funktionale Prozesse im Vertrieb-, Logistik- und Finanzumfeld. Dies wird im Zeitalter globaler und virtueller Unternehmen dadurch erreicht, dass „Informationszentren“ sowohl funktionsbezogene als auch funktionsübergreifende Sichten auf das Unternehmen ermöglichen. Dabei ist es von entscheidender Bedeutung, dass die Informationsbedürfnisse aller beteiligten Ebenen – von der Geschäftsleitung bis zur operativen Ebene – berücksichtigt werden. Die Herausforderung dieses Prozesses liegt nun darin, aus den vorliegenden Daten relevante Informationen zielgruppenspezifisch zu filtern und aufzubereiten. Hier spielt die Business Intelligence-Plattform eine entscheidende Rolle. Diese Anwendung liefert durch die Analyse von Geschäftsdaten eine wichtige Handlungsgrundlage für das Management. Bedingung ist, dass die Plattform Entscheidungen in allen Aufgabenbereichen unterstützt, ohne zu sehr auf technische Einzelheiten einzugehen.
Business Intelligence als Instrument für das Management
SAP NetWeaver 2004s mit der Komponente Business Intelligence, kurz BI, bietet die ideale Plattform, um unterschiedliche Informationsbedürfnisse zu befriedigen: die Möglichkeit, Daten aus SAP- und SAP-fremden Quellen zu laden, Werkzeuge, um diese Daten umzuwandeln, Funktionen für die Integration von Daten und leistungsfähige Analysefunktionen bis hin zur integrierten Planung und komplexen Simulationen. Also vielfältige Funktionen, die diese Komponente für den Einsatz bei der Integration und Optimierung von Business Cases prädestinieren. Business Intelligence ist ein Werkzeug, das sich im gesamten Unternehmen einsetzen lässt. Sämtliche Ebenen und Bereiche, vom Sachbearbeiter bis zum Manager oder vom Einkäufer bis zum Vertriebsmitarbeiter, profitieren von den bedarfsgerechten Informationen. Der gesamte Management-Prozess wird somit unterstützt. Die Funktionen von BI lassen sich in die folgenden vier Teilbereiche unterteilen:
1. Informationsbereitstellung:
Mit Hilfe der verschiedenen Frontend-Tools stellt das System auf Knopfdruck die gewünschten Informationen dar und ermöglicht deren effektive Nutzung. Dies setzt allerdings voraus, dass die relevanten Daten aus allen Systemen, SAP und Non-SAP, einheitlich und strukturiert zur Verfügung stehen. So können alle Mitarbeiter des Unternehmens individualisierte Berichte auf einfachem Weg abrufen und zwar in der Detailtiefe, die sie für ihre Tätigkeit benötigen. Ganz gleich, ob es sich um aggregierte Statusberichte, detaillierte Listen oder Bewertungen mit definierten Kennzahlen handelt.
2. Analyse:
Um Zusammenhänge analysieren zu können und deren Ursachen zu finden, reichen einfache Reports in der Regel nicht aus. Hier gilt es, vorhandene Informationen mit Datenquellen beispielsweise externer Provider anzureichern und gegen Kennzahlen zu vergleichen (Key Performance Indicator – KPI). Diese sind gezielt in Relation zu setzen, um werthaltige Business-Analysen zu erhalten. Im BI-System stehen die dazu benötigten Analysemethoden und -instrumente wie Data Mining, Analyse Prozess Designer, Abweichungsanalysen usw. zur Verfügung. Diese Methoden helfen, Veränderungen und Abnormitäten sofort zu erkennen und zu visualisieren. Die Alarmierung kann beim Überschreiten von individuell festgelegten Grenzwerten zum Beispiel über eine E-Mail-Benachrichtigung erfolgen. Key Performance Indicator (KPI) sind definiert als Kennzahlen, die quantitativ erfassbare Sachverhalte eines Unternehmens in konzentrierter Form darstellen können. Neben absoluten Größen werden relative Größen in Form von Beziehungs-, Gliederungs- oder lndexzahlen unterschieden. Da KPIs aggregierte Informationen abbilden, dienen sie meist dazu, schnell und prägnant über ein ökonomisches Aufgabenfeld zu informieren. Kennzahleninhalte und -werte orientieren sich an den jeweiligen Analysezielen.
3. Planung:
Business Intelligence stellt Auswertungen zur Verfügung, die auf Informationen aus unterschiedlichen Systemen beruhen. Diese dienen als Grundlage zur besseren Einschätzung zukünftiger Entwicklungen und helfen die Entwicklung des eigenen Unternehmens mit den strategischen Zielsetzungen besser abgleichen zu können. Diese Informationen werden mit Hilfe von KPIs und Balanced Scorecards eindeutig beschrieben und fungieren als Messlatte für die Leistung des Unternehmens. Die neu integrierte Planungskomponente Business Planning and Simulation (BPS) von SAP kann nun konsistente Teil- und Gesamtpläne für integrierte Planungskonzepte erstellen. Weiterhin ist es möglich, verschiedene Rahmenbedingungen zu simulieren und darauf aufbauend Szenarien für zukünftige Entscheidungen zu erarbeiten. Jeder durchgeführten Analyse liegen bestimmte Ziele und Rahmenbedingungen zugrunde. Aus den Ergebnissen können die Verantwortlichen einerseits genau ermitteln, inwiefern festgelegte Ziele erreicht wurden und ob sich Rahmenbedingungen verändert haben.
4. Information als Produktionsfaktor
Die klassische Volkswirtschaftslehre untersucht seit Langem, wie sich die Faktoren Arbeit, Kapital und Boden auf Unternehmen auswirken. Neuerdings werden zusätzlich dazu auch Wissen oder Informationen als Produktionsfaktoren betrachtet. Die wichtigste Aufgabe des modernen Managers ist, das eigene Unternehmen mit den entscheidenden Informationen richtig zu steuern. Entscheidungsprozesse müssen immer schneller abgeschlossen sein. Der Wettbewerb bietet ständig neue Herausforderungen und gesetzliche Bestimmungen, wie Basel II oder der Sarbanes-Oxley Act, ändern sich in immer kürzeren Zeitabständen. Gut aufbereitete Informationen sind heutzutage wichtiger denn je. Hierbei sollten diese, möglichst auf Knopfdruck, allen Ebenen des Unternehmens zur Verfügung stehen. Sicherlich kennt beinahe jeder die Situation, kurz vor einer wichtigen Besprechung noch Auswertungen, aggregierte Kennzahlen und weitere relevante Informationen zusammentragen und übersichtlich aufbereiten zu müssen. Zur Entscheidung über teilweise richtungweisendes Vorgehen benötigt das Management fundierte Informationen über die aktuelle Situation des Unternehmens und des Marktes. Selbst in Bezug auf zukünftige Entwicklungen können statistische Methoden Prognosen und Trends abbilden. Informationen gehören somit zum Betriebskapital und bilden einen kritischen Wettbewerbsfaktor. In den meisten Unternehmen stehen Informationen aber nicht gebündelt auf Knopfdruck zur Verfügung. Mitarbeiter müssen sie aus verschiedenen Systemen zusammentragen und oft sogar manuell in Excel weiterverarbeiten. Dies bedingt großen Aufwand und hat zur Folge, dass wichtige Ergebnisse erst nach Tagen oder sogar Wochen vorliegen. Dass diese Vorgehensweise Schwachstellen hat, dürfte unumstritten sein. Manuelle Auswertungen sind zudem sehr fehleranfällig und darauf basierende Entscheidungen haben einen hohen Unsicherheitsfaktor. Durch die lange Bereitstellungszeit kann es vorkommen, dass die Informationen zum Zeitpunkt der Fertigstellung eines Reports schon wieder veraltet sind. Nicht zu vernachlässigen ist außerdem der hohe Personalaufwand, der aus dem zeitaufwändigen Zusammensuchen der gewünschten Informationen resultiert.
Die Ursachen für diese Schwachstellen sind vielfältig. Oft fehlen optimierte Prozesse, strukturierte Methoden und geeignete Werkzeuge. Hier kann die Einführung eines Management Cockpit helfen. Doch was muss man sich darunter vorstellen? Das Management Cockpit wurde 1989 von Patrick M. Georges in Brüssel entwickelt, als Informationszentrum zur Optimierung der Entscheidungsfindung in Teams. Das Management Cockpit ergibt sich aus der Darstellung verdichteter Informationen beispielsweise in Grafiken, Tabellen und so genannten Ampelsystemen. Vorzugsweise handelt es sich um eine einfache, aggregierte Aufstellung von Kennzahlen und leicht zu interpretierenden Grafiken für die strategische Planung und Steuerung eines Unternehmens. Die entsprechenden Darstellungsformen sind speziell für die einfache Wiedergabe komplexer Zusammenhänge geeignet. Bei einer typischen SAP-Landschaft stellen die beiden Teile – Business Intelligence (BI) und Enterprise Portal (EP) – die Kernkomponenten eines Management Cockpit in diesem Umfeld dar. Dessen Einsatz bietet dabei entscheidende Vorteile, in erster Linie einen Single Point of Access zu allen unternehmensrelevanten Informationen, die bei Bedarf sofort zur Verfügung stehen. Die Nutzer erhalten individualisierte Sichten auf interne und externe Informationen ebenso wie alle wichtigen KPIs, die Aussagen über die Unternehmensperformance zulassen. Durch einfache und dennoch gehaltvolle Visualisierungsmöglichkeiten können die Verantwortlichen wesentliche Informationen schneller erfassen und interpretieren. Durch einen Web-Zugriff stehen die Daten jederzeit zur Verfügung. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die genannten Aspekte darauf abzielen, es dem Management einfacher zu machen, wichtige Entscheidungen für das Unternehmen schnell und auf Basis profunder Informationen zu treffen. Die über das Management Cockpit bereitgestellten Auswertungen ermöglichen jedoch nicht nur der Ableitung operativer und strategischer Maßnahmen sondern können auch zur Optimierung von Geschäftsprozessen dienen.
Unternehmen, die auch in Zukunft erfolgreich sein wollen, brauchen zuverlässige und konsistente Daten, um daraus mit geeigneten Methoden neue Erkenntnisse für die Unternehmenssteuerung zu gewinnen. Das Management Cockpit beschleunigt Entscheidungsprozesse und hilft den zuständigen Entscheidern, die richtigen Unternehmensstrategien besser, schneller und sicherer zu erkennen und umzusetzen. Die ideale Basisplattform für die Entwicklung eines Management Cockpits in SAP-Landschaften bildet SAP Business Intelligence mit der Visualisierungsebene des SAP NetWeaver Enterprise Portals.
Autor: Dr. Armin Elbert, Consulting Manager
Optimale Planung von Upgrade-Projekten mit dem SAP Solution Manager
Lifecycle-Management-Tool
Die SAP positioniert den SAP Solution Manager als eine strategische Komponente für ihre Kunden. Interne Service- und Support-Funktionen sowie Prozesse sollen Unternehmen ebenfalls über den Solution Manager abwickeln wie die Kommunikation zwischen Kunden und dem SAP Active Global Support.
Der Solution Manager stellt die SAP als Lifecycle-Management-Tool für SAP-Produkte und gesamte SAP-Landschaften bereit. In den Anfangsphasen unterstützt er Planung und Einführung sowie später den Betrieb von SAP-Systemlandschaften.
Die Funktionen im Überblick
1. Implementierung
Der Solution Manager erleichtert die Implementierung von neuen SAP-Lösungen durch mitgelieferte Roadmaps und Best Practices, die beim Anlegen eines Projektes als Vorlage zur Verfügung stehen. Als zusätzliche unterstützende Komponenten sind Test- und E-Learning Management-Funktionen enthalten, die auf Wunsch aktiviert werden können.
2. System Monitoring
Mit System- und Process-Monitoring können Mitarbeiter Informationen der gesamten SAP-Systemlandschaft optimal darstellen und zentral überwachen. Auch Non-SAP-Systeme können die Verantwortlichen mit Hilfe des bewährten CCMS (Computer Center Management System) einbinden und überwachen. Early Watch Alerts lassen sich in Reports aufbereiten. Sie liefern damit Informationen, die zur Erstellung einfacher Service Level Reports notwendig sind.
3. Service Desk
Zusätzlich liefert der Solution Manager ein integriertes Service Desk für SAP-Produkte. Dadurch ist es dem Anwender möglich, im Fehlerfall direkt aus der Transaktion heraus eine Meldung abzugeben. Kommt es zu einer Fehlermeldung, erzeugt diese automatisch eine Service Desk-Meldung, die anschließend vordefinierte Eskalationsstufen durchläuft. Um die Problembehebung zu erleichtern, enthält die Meldung zusätzliche technische Informationen wie zum Beispiel das entsprechende Supportpackage-Level. So müssen die Anwender dieses nicht mehr eigens eintragen, noch müssen die Supportmitarbeiter das extra abfragen.
4. Lieferung von SAP-Lösungen
Der Solution Manager verfügt über eine Online-Anbindung zum SAP Support und nutzt diese zum Download von Patches und Support Packages. Diese Funktion wird in Zukunft unumgänglich sein, da SAP die Strategie verfolgt, Support Packages nur noch über diesen Weg zu verteilen.
5. Change Management
Zur Optimierung von SAP-Systemlandschaften beinhaltet der Solution Manager ein Change Request Management. Diesem unterliegt ein stark von ITIL geprägter Prozess zur Kontrolle des Transportwesens innerhalb der entsprechenden SAP-Systeme. Der Change Request wird direkt im Service Desk generiert und dem Change Manager bzw. dem Change Advisory Board zur Genehmigung vorgelegt. Welche der genannten Komponenten sinnvollerweise beim Kunden zum Einsatz kommen, hängt von der jeweiligen individuellen Situation ab. Dabei gilt es zu untersuchen, inwieweit Unternehmen bisherige IT-Prozesse und Aufgaben einbinden und welche Aufgaben eventuell bereits vorhandene Systeme übernehmen können. Sicherlich ist es Kunden möglich, die eine oder andere Anforderung mit Fremdsoftware einfacher umzusetzen als mit dem Solution Manager, doch muss man betonen, dass der Markt massiv nach einigen Funktionen der heute zur Verfügung stehenden Lösung explizit verlangt hat. Eine dieser Funktionen ist mit Sicherheit die Planungs- und Dokumentations-Komponente für Upgrade-Projekte.
Das Upgrade als Spezialfall der Optimierung von SAP-Systemlandschaften schließt den Kreis des Lifecycle Management im Solution Manager. Diese Phase gilt in der SAP-Lösung als eigenständiges Projekt und lässt sich folgendermaßen beschreiben. Das Upgrade auf mySAP ERP2005 stellt viele Unternehmen vor neue Herausforderungen hinsichtlich Projektdurchführung und -dokumentation. Hier bietet der Solution Manager Unternehmen neue Möglichkeiten. Sie können bestehende SAP-Dokumentationen nutzen und gleichzeitig die Spezifika der eigenen Projekte abbilden und dokumentieren. Ein zusätzlicher Mehrwert besteht in der Dokumentationsfunktion des Solution Managers mit Hilfe von Knowledge Warehouse. Zur Steuerung des Upgrades über den Solution Manager muss dieses zunächst als entsprechendes Projekt innerhalb der Software angelegt werden. Nun gibt es zwei verschiedene Wege, die Funktionen der Software für das entsprechende Upgrade zu nutzen. Am einfachsten ist es, wenn die SAP-Lösung bereits mit dem Solution Manager implementiert wurde. In diesem Fall sind Geschäftsszenarien und Kerngeschäftsprozesse bereits definiert und dokumentiert. So können die Kunden ohne große Aufwendungen aus dem bereits abgeschlossenen Implementierungsprojekt ein Upgradeprojekt generieren. Die erstellten Dokumente stehen damit in ergänzter und angepasster Form auch zur Verwendung in weiteren Projekten zur Verfügung. Im Fall eines Ersteinsatzes des Solution Managers müssen die Verantwortlichen Geschäftsszenarien und Kerngeschäftsprozesse neu definieren und dokumentieren. Dabei können sie für die Dokumenten-Ablage im Solution Manager und die in NetWeaver integrierten Funktionen des Knowledge Warehouse aktiv nutzen. Für die Durchführung des Projektes dient eine von der SAP mitgelieferte Roadmap. Diese ist analog der ASAP-Methodik (Accelerated SAP) in fünf Phasen aufgeteilt: Realisierung, Produktionsvorbereitung, Go Live & Support, Projektvorbereitung und Upgrade-Konzept. Diese Roadmaps erleichtern das Upgrade-Projekt durch die Bereitstellung zusätzlicher Informationen und Hilfsmittel. Dazu gehören unter anderem die aus der ASAP-Welt bekannten, so genannten Beschleuniger. Sie stellen zusätzliche Hilfen und Dokumente, unter anderem in Form von Hyperlinks, bereit. Im zweiten Schritt erhalten die Mitarbeiter im Upgrade-Projekt entsprechende Rollen. Diese beschreiben gemäß den frei definierbaren Status- und Stichwörtern genau den auf ihre Aufgabengebiete zugeschnittenen Teil des Business Blueprints. Nun steht das Grundgerüst für die Projektdurchführung. Anschließend werden die Geschäftsszenarien modelliert, es sei denn, das Projekt ist aus einem Implementierungsprojekt entstanden. Wenn diese neu angelegt werden, besteht die Möglichkeit, Szenarien und Prozesse aus dem Business Process Management oder aus anderen Projekten auszuwählen. Sollten sich die vorhandenen Szenarien nicht für das Projekt eignen, können Mitarbeiter diese auch manuell erstellen. Nach der Wahl der entsprechenden Geschäftsszenarien zeigt der Solution Manager alle für dieses spezifische Szenario notwendigen SAP-Komponenten an. Nun besteht die Möglichkeit, für die einzelnen Projektschritte ausführliche Dokumentationen anzulegen. Diese Dokumente enthalten unter anderem die Inhalte zum Customizing. Zusätzlich können zu den jeweiligen Prozessschritten Trainingsmaterialien und Tests hinterlegt werden. Die E-Learning Management-Funktion des Solution Managers unterstützt dabei die Einarbeitung der Mitarbeiter in das neue System. Auf Basis von Learning Maps können Unternehmen Ausbildungseinheiten organisieren, die sie den jeweiligen Prozessschritten zuordnen. Auch sind im Lieferumfang des Solution Managers die SAP-Tutor-Lizenzen enthalten. Diese ermöglichen die Nutzung des SAP-Tutors als E-Learning-Autorenumgebung. Die Wiedergabe der aufgezeichneten E-Learning-Inhalte kann auf dem Client unter Verwendung des SAP-Tutor-Players sowohl als Stand-Alone-Anwendung oder über ein Browser-Plugin erfolgen. Ähnlich sieht es beim Testmanagement aus.
Mit dem Knowledge Warehouse stellt SAP ein in den Solution Manager integrierbares, zugleich aber auch eigenständiges Dokumentenmanagement-System zur Verfügung. Da sich die im Solution Manager erzeugte Dokumentation der Funktionen des Knowledge Warehouse bedient, können Anwender nach Installation eines Content Servers auch weitere dieser Funktionen für die Nutzung von Dokumenten verwenden. Mögliche Knowledge Warehouse-Szenarien sind die Applikationshilfe, die Trainings für Enduser und die Ablage revisionssicherer Handbücher. Auf sämtliche Inhalte des Knowledge Warehouse können Anwender auch über das Internet zugreifen. Wahlweise geschieht das sogar mit der Anwendung verknüpft – die Informationen lassen sich dann direkt als Applikationshilfe bis auf Dynproebene genau aus der SAP GUI öffnen. Entsprechend dem eingestellten Benutzerprofil zieht das Knowledge Warehouse dabei automatisch die für den Anwender relevanten Informationen aus dem System. Diese Funktion wird als Kontextauflösung bezeichnet. Sie stellt eine virtuelle Zusammenfassung von Informationen für eine besondere Zielgruppe dar – sozusagen für den „Kontext“, in dem sich ein Benutzer innerhalb einer Anwendung bewegt.
Fazit
Gesamt gesehen unterstützt und erleichtert der Solution Manager die Projektarbeit bei Upgrades. Wertvolle Dokumentationen und Informationen können Anwender mit Hilfe der integrierten Knowledge Management-Funktion einfach nutzen und weitergeben. Die Integration des Knowledge Warhouse über den normalen Funktionsumfang des Solution Managers hinaus ermöglicht die einfache Weitergabe und Wiederverwendung der innerhalb der Projekte erzeugten Informationen und Dokumentationen. Über die Hilfefunktion haben Anwender im SAP-System einfachen Zugriff auf ausgewählte Dokumente. Einen weiteren Mehrwert stellt die integrierte E-Learning-Funktion dar. Diese unterstützt die einfache Einarbeitung der Mitarbeiter in die neue Anwendungsumgebung. Kritisch zu betrachten ist allerdings die Strategie der SAP, die den Einsatz des Solution Managers bei seinen Kunden regelrecht vorschreibt. Natürlich gibt es auf der einen Seite viele Funktionen, die dem Kunden die Arbeit mit SAP erleichtern. Auf der anderen Seite ist die Einführung des Solution Managers an zusätzliche Investitionen gebunden. Zwar sind die Lizenzen kostenlos – um das System allerdings betreiben zu können, sind dedizierte Systeme aufzubauen. Was auf den Kunden zukommt, mit welchen Investitionen dies verbunden ist, welche Abhängigkeiten bestehen und nicht zuletzt welche Module sinnvollerweise mit dem Solution Manager oder mit Fremdsoftware abgebildet werden können, lässt sich kaum überblicken. Hier bedarf es einer vorhergehenden detaillierten Analyse unter Berücksichtigung der IT- und Prozesslandschaft des Kunden.
Autoren: Marco Sachs und Martin Stephan, Consultants bei der REALTECH AG










