Mitarbeiter zwischen Burnout und Weiterbildung
Studie der BWA Akademie nennt aktuelle Arbeitsmarkttrends und berufliche Herausforderungen
Die Globalisierung und der zunehmende Wettbewerbsdruck bergen laut einer aktuellen Studie der BWA Akademie durchaus auch Chancen für Mitarbeiter. Firmen erkennen immer mehr, wie wichtig Mitarbeiter für den Unternehmenserfolg sind, und handeln dementsprechend.
Von Harald Müller, Geschäftsführer der BWA Akademie
Die Arbeitswelt hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark gewandelt und mit ihr die Belastungen für die Beschäftigten. Unter den Bedingungen der wirtschaftlichen Globalisierung erfahren laut Goethe Institut immer mehr Menschen in Deutschland, dass ihre Erwerbstätigkeit nicht mehr mit jenen ökonomischen und sozialen Sicherheiten verbunden ist, die ein selbstbestimmtes Leben erst ermöglichen. Durch Deregulierung und Liberalisierung der Märkte hat der Wettbewerbsdruck enorm zugenommen. Um wettbewerbsfähig bleiben zu können, haben viele Firmen Maßnahmen ergriffen, um effizienter agieren zu können. Neben der Optimierung der Geschäftsprozesse zählen hierzu auch die Verschlankung des Unternehmens unter anderem durch Personalabbau oder Personalverlagerung ins kostengünstigere Ausland.
Globalisierung, Strukturwandel, Wettbewerbsdruck
Entstanden Belastungen am Arbeitsplatz früher durch harte körperliche Arbeit, so hat sich dies in der modernen Dienstleistungsgesellschaft enorm gewandelt. Heute wird der Betriebsalltag der Unternehmen und ihrer Mitarbeiter vor allem durch die Anforderungen der Globalisierung, durch Strukturwandel, Standortwettbewerb, Rationalisierung, Komplexität, Kosten- und Zeitdruck sowie durch den Einsatz neuer Technologien bestimmt. Die Veränderungen führen immer häufiger zu Organisationskrankheiten wie Stress, Überforderung und anderen psychosozialen Beanspruchungen von Management und Beschäftigten. Auf Dauer verursachen sie in erster Linie Frustration und Demotivation, Leistungsabfall, innere Kündigung oder chronische Erkrankungen wie das Burnout-Syndrom. Aus der aktuellen Trendstudie „Arbeitsmarkt und berufliche Herausforderungen 2012“ der BWA Akademie geht hervor, dass in über einem Drittel aller Unternehmen in Deutschland (35 Prozent) allein in den vergangenen zwölf Monaten ein deutlicher Anstieg psychisch bedingter Krankheiten bei Arbeitnehmern festzustellen war. Über die Hälfte (54 Prozent) verzeichnen einen leichten Anstieg. Beinahe 90 Prozent der Firmen nehmen vermehrt psychisch bedingte Krankheitsstände in ihren Betrieben wahr. Die neue Trendstudie, die im Auftrag der BWA Akademie durchgeführt wurde, basiert auf einer aktuellen Umfrage unter 150 Personalverantwortlichen aus mittelständischen und großen Unternehmen.
Maßnahmen gegen Burnout
Experten sehen im Burnout-Syndrom eine schwerwiegende Folge von chronischem Stress. Erkrankte befinden sich in einem physischen, psychischen und geistigen Erschöpfungszustand. Diesem können Phasen der idealistischen Begeisterung, der Desillusionierung, der Depression oder Aggressivität vorausgehen. In der Folge haben die Betroffenen selbst für alltägliche Aufgaben keine Energie mehr. Laut BWA-Trendstudie haben über drei Viertel aller Unternehmen in Deutschland (76 Prozent) bereits die Notwendigkeit erkannt, Maßnahmen gegen den zunehmenden Burnout-Effekt bei Arbeitnehmern zu ergreifen. Deutlich mehr als die Hälfte (57 Prozent) stufen Burnout als eine „anhaltende Entwicklung“ ein, der es entgegenzutreten gilt. Über 90 Prozent werten zudem die „psychische Konstitution“ der Beschäftigten als eine „große Herausforderung“ für die deutsche Wirtschaft. Die in der Studie beschriebene Entwicklung ist derart alarmierend, dass die Unternehmen dringend gehalten sind, zügig Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Die Herstellung einer vernünftigen Work-Life-Balance bei den Beschäftigten sollte daher höchste Priorität haben. Diese wird von der BWA Akademie als die größte Herausforderung für die Personalverantwortlichen in den nächsten Jahren
angesehen. Jedoch kommt die Studie zu der etwas ernüchternden Erkenntnis, dass bisher nur etwa ein Viertel der Unternehmen in Deutschland (24 Prozent) ausreichend viele Möglichkeiten zur Verfügung stellen, um gegen Stresssymptome in den Betrieben effektiv ankämpfen zu können. Die große Mehrheit von 76 Prozent hat hier noch einen deutlichen Nachholbedarf. Dass die Gesundheit der Beschäftigen als entscheidender Faktor für den Unternehmenserfolg wahrgenommen wird, zeigt, wie wichtig die „Ressource Mitarbeiter“ mittlerweile ist. In diesem Zusammenhang gewinnt auch der Qualifizierungsgrad des jeweiligen Mitarbeiters eine zunehmend wichtigere Rolle. Die BWA-Studie kommt zum Ergebnis, dass Unternehmen, die ihre Beschäftigten stetig qualifizieren, dadurch merkliche Wettbewerbsvorteile erlangen. Davon sind zwei Drittel aller Personalverantwortlichen in der deutschen Wirtschaft fest überzeugt. Demnach zeichnet sich die Mehrzahl der Firmen (53 Prozent) durch die gezielte berufliche Förderung ihrer Mitarbeiter aus. Andererseits heißt das auch, dass 47 Prozent der Unternehmen nach Einschätzung der Personaler noch zu wenig auf die berufliche Entwicklung ihrer Beschäftigten achten. Die Arbeitnehmer stehen den Bildungsangeboten laut Report überwiegend positiv gegenüber. 59 Prozent der Mitarbeiter nutzen die ihnen angebotenen Weiterbildungsmöglichkeiten voll und ganz, weitere 24 Prozent immerhin teilweise, hat die BWA Akademie herausgefunden. Arbeitgeber und Arbeitnehmer befinden sich beim Thema Qualifizierung laut BWA überwiegend auf gutem Wege. Jetzt gilt es im Interesse beider Seiten die Strecke zu Ende zu gehen und die Vision des lebenslangen Lernens als integraler Bestandteil der deutschen Wirtschaft zu festigen. Das komme nicht nur den Beschäftigten und den Unternehmen zugute, sondern stärke vor dem Hintergrund des hierzulande
grassierenden, chronischen Fachkräftemangels auch die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft insgesamt.
Fachkräfte aus dem Ausland
Viele Unternehmen haben die Wirtschaftskrise inzwischen gut überstanden. Dementsprechend werden bei 81 Prozent der befragten Firmen wieder mehr Fachkräfte eingestellt. Lediglich bei 19 Prozent trifft dies bisher noch nicht zu. Der Fachkräftemangel wird in vielen Fällen bereits aus dem Ausland gedeckt. Dies wird in naher Zukunft zu einer Verschiebung des wirtschaftlichen Kräfteverhältnisses führen. Dieser Meinung schließt sich eine Mehrheit von 81 Prozent der Firmen an. Weiterbildung und ein höherer Qualifizierungsgrad sind nach den Erfahrungen der BWA Akademie zwar als Maßnahmen kurz- und mittelfristig geeignet, um den Fachkräftemangel aufzufangen. Langfristig muss hier jedoch eine Bildungsreform etabliert werden, die praxis- und bedarfsbezogener ausbildet.
Fazit
Die Arbeitsbedingungen moderner Dienstleistungsgesellschaften können bei den Beschäftigten psychosoziale Belastungen verursachen. Ohne geeignete Prävention münden sie in Stress und zuletzt oftmals im sogenannten Burnout-Syndrom. Für 71 Prozent der Unternehmen ist es besonders wichtig, psychische Erkrankungen bei Mitarbeitern frühzeitig zu erkennen, um Gegenmaßnahmen einleiten zu können. Neben dem Gesundheitsaspekt ist vor allem der Qualifizierungsgrad ein wichtiger Faktor. Dementsprechend hat sich in der deutschen Wirtschaft die Meinung durchgesetzt, dass Unternehmen, die ihre Beschäftigten stetig qualifizieren, dadurch spürbare Wettbewerbsvorteile erlangen. Angesichts des grassierenden Fach- und Führungskräftemangels wollen und können es sich immer weniger Unternehmen erlauben, gute Mitarbeiter durch Burnout oder ähnliche Erkrankungen zu verlieren. Unternehmen reagieren hierauf, indem sie die Zufriedenheit der Beschäftigten zu einem Erfolgsfaktor erklären. Sie haben erkannt, dass sich das Engagement für mehr Gesundheit und eine höhere Qualifikation der Beschäftigten auch für die Unternehmen lohnt. Denn von gesteigerter Zufriedenheit, Motivation und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter profitieren sie in Form geringerer Krankenstände, Fluktuationen und Kosten. In der Folge steigen die Produktivität, Rentabilität und Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens, verbessern sich die Kundenzufriedenheit, Flexibilität und Innovationsfähigkeit und außerdem wird die Corporate Identity gefördert.
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