Blind für die Gefahr
E-3 Magazin Mai 2006, Seite 38, Wirtschaft
Berlecon: Deutsche IT-Dienstleister sind beim Thema Offshore gelassen
Laut einer von Berlecon Research veröffentlichten Marktanalyse sieht sich nur ein kleiner Teil der IT-Dienstleister in Deutschland von Offshore-Anbietern ernsthaft bedroht. Mehr als drei Viertel der Anbieter rechnen mit einer Steigerung bei Umsatz und Auftragsbestand für 2006.
Trotz der optimistischen Geschäftserwartungen rechnen die IT-Dienstleister mit weiterem Druck auf die Preise. Preissteigerungen werden am ehesten bei Tätigkeiten mit hohem Anforderungsprofil erwartet. Berlecon empfiehlt den Anbietern, sich nicht nur auf inländische Kunden zu fokussieren und die Internationalisierung voranzutreiben. Für die aktuelle Analyse „IT-Services 2006 – Preise und Verträge im deutschen IT-Dienstleis-tungsmarkt“ hat Berlecon Research im ersten Quartal 2006 eine Befragung unter IT-Dienstleistern in Deutschland mit mindestens 50 Mitarbeitern durchgeführt, 92 Unternehmen haben daran teilgenommen. Der Report nennt detailliert im Projekt- und Outsourcinggeschäft von 2005 erzielte Tagessätze und skizziert die Erwartungen für 2006 und 2007. Der Report untersucht die Bedeutung verschiedener Abrechnungsmodelle und Maßnahmen zur Qualitätssicherung sowie den Einfluss verschiedener Faktoren auf die erzielten Preise. Darüber hinaus werden Erwartungen für die wirtschaftliche Entwicklung, die Auswirkungen von Offshore-Angeboten sowie die Bedeutung von Kundengruppen analysiert.
Das häufig gezeichnete Bedrohungsszenario durch Offshore-Anbieter fällt in der Praxis weniger dramatisch aus, als die öffentliche Diskussion in den letzten Monaten suggeriert. So betrachten nur etwa acht Prozent der IT-Dienstleister Offshore-Angebote als ernsthafte Konkurrenz. Dagegen sind 46 Prozent der IT-Services-Anbieter der Meinung, sich auf Bereiche zu spezialisieren, in denen Offshore-Anbieter keine Preisvorteile haben. Insbesondere Tätigkeiten mit hohem Anforderungsprofil, die typischerweise auch eine intensive Interaktion mit den Kunden erfordern, haben sich in der Praxis bislang nur als bedingt offshore-tauglich erwiesen.
„Die unterschiedliche Eignung von IT-Services für die Auslagerung an Offshore-Anbieter kann zum Teil auch die hohe Varianz in den 2005 erzielten Tagessätzen erklären, die wir detailliert ausgewertet haben", meint der Berlecon-Analyst Dr. Andreas Stiehler. So lagen die durchschnittlichen Tagessätze für Tätigkeiten mit hohem Anforderungsprofil wie Business Consulting, Projektmanagement oder Spezialaufgaben deutlich über denen besonders offshore-affiner Segmente wie Softwareimplementierung oder Application Support. Auch bei der erwarteten Preisentwicklung für 2006 und 2007 fallen die Einschätzungen differenziert aus: So werden zukünftige Preissteigerungen noch am ehes-ten für Tätigkeiten mit hohem Anforderungsprofil erwartet.
Quelle: www.berlecon.de

E-3 Magazin: Ausgabe Juli/Augugst 2010









