Gesucht, gefunden, evaluiert, implementiert & gekauft
E-3 Magazin Mai 2006, Seite 3, Editorial
Kann der Kunde die Strategie, das Management, die Konzernstruktur, die Visionen und das internationale Handeln eines Konzerns wie SAP verstehen? In Zeiten, wie diesen ist das Thema Compliance unerschöpflich und auch für SAP unumgänglich. Aber warum alle Arbeiten selber machen, wenn das Gute so nahe liegt. Jetzt wurde VIRSA Systems gekauft. Bald könnte es auch Redwood ereilen.
Der Leidensbericht unseres verehrten Autors, der alles sagt, nur nicht seinen eigenen Namen (auf Seite 16 jeder E-3 Ausgabe) hat viel Staub aufgewirbelt: Vor drei Monaten bekannte er sich zu SAP-Partner UC4 und musste deswegen von seinem Vorstand, nach bekannt werden der Redwood/SolMan-Kooperation (SAP Solution Manager), einen Verweis hinnehmen. Jetzt habe ich mit dem geheimnisvollen Wissensträger nochmals telefoniert und er stellte mir die Frage: Was wird der nächste Schritt in der Redwood/SAP-Liebesbeziehung sein?
Mein langes Schweigen am Telefon quittierte er mit einer mürrischen Frage: „Und, was ist mit VIRSA Systems passiert?“ Jetzt habe auch ich es verstanden: SAP begibt sich auf die Suche nach einer Lösung für ein akutes Problem – dort Compliance, hier Job-Scheduling. Die SAP-Trend-Scouts finden ein kleines, feines Unternehmen, vereinbaren eine technische Zusammenarbeit, laden die Experten zwecks Vorträgen und Seminaren zur SAP TechEd ein und Überprüfen die Reaktion der SAP-Bestandskunden. Im nächsten Schritt kommen White Papers und Customizing-Hinweise auf den SAP Service-Marktplatz. So ist es mit VIRSA für das Thema Compliance und mit Redwood für das Thema Job-Scheduling geschehen.
Beispiele dieser Art, der immer enger werdenden Partnerschaft, finden sich im SAP-Ecosystem zahlreich, aus jüngster Vergangenheit: Triversity, Khimetrics und jetzt VIRSA. Bei Redwood steht also der alles entscheidende, letzte Schritt noch aus. Experten rechnen mit der endgültigen Übernahme frühestens Ende 2006, wahrscheinlicher ist aber die erste Jahreshälfte 2007. Die vermutlich angespannte Situation bei Redwood könnte aber auch ein vorzeitiges Eingreifen durch die SAP Venture Capital Gesellschaft notwendig machen.
Was ist geschehen? Früher verkaufte Redwood seine Job-Scheduling-Software ebenso wie Tivoli, HP, UC4, Honico, IBM, etc. Dann wurde der SAP-spezifische Redwood-Teil Freeware/Public Domain unter der Haube des SolMan und Redwoods Lizenzeinnahmen schmolzen wie der Schnee in der Frühlingssonne. Die Idee dahinter: SAP-Bestandskunden, die den SolMan einsetzen, gewöhnen sich an Redwood und werden für ihre restliche IT-Infrastruktur die Redwood-Volllizenz teuer nachkaufen. Noch scheint diese Rechnung nicht aufgegangen zu sein und wie das Verhalten der SAP aus der Vergangenheit zeigt, gibt es in Walldorf einige Manager, die vielleicht anderes im Sinn haben.
Aber vielleicht war es auch ein Plan der Redwood-Manager, sich so von SAP aufkaufen zu lassen: anstatt Going-public an der Börse in Amsterdam, going to Walldorf! Zu hoffen und zu wünschen ist, dass der SAP-Bestandskunde nicht wieder auf der Strecke bleibt.
Quelle:Peter M. Färbinger










