Mai
2006

SAP runs USA

E-3 Magazin Mai 2006, Seite 30, Coverstory

The best run businesses run SAP

Schon einmal setzte SAP an für den gewagten Sprung über den großen Teich. Damals stand zur Diskussion, dass Bill Gates das deutsche ERP-Unternehmen in sein Microsoft-Reich eingliedern könnte. Jetzt gibt es neue Diskussionen um eine SAP-Übernahme durch IBM. Die Transaktion könnte funktionieren, wenn Shai Agassi der neu SAP-Chef in einer IBM-Tochtergesellschaft wird.

Shai Agassi ist seit 2001 bei SAP und seit Anfang 2002 auch Vorstandsmitglied. Die  Laufzeit seines aktuellen Vorstandsvertrages geht bis 2010, dann könnte er Chef des ERP-Weltmarktführers werden, wenn ihm nicht IBM oder Léo Apotheker, sein Vorstandskollege aus Paris in die Quere kommt. Gefahr aus Walldorf droht keine: Gerd Oswald, Peter Zencke oder Claus Heinrich haben keine Ambitionen und sicher auch nicht die Energie, um gegen den weltgewandten Shai Agassi anzukommen. Offiziell ist Shai Agassi für  Produktentwicklung und Technologie, Branchenlösungen sowie Produkt- und Branchenmarketing verantwortlich. Hierbei überschneidet sich sein Tätigkeitsbereich ein wenig mit dem von Peter Zencke (Technologie und Forschung) sowie Léo Apotheker (Marketing).

Ähnlich wie Léo Apotheker, hat sich auch Shai Agassi nach seiner Berufung in den SAP-Vorstand geweigert, nach Walldorf zu übersiedeln. Somit sitzt er nach wie vor in Palo Alto, wo er nach seinem Studium eigene Unternehmen gründete. Léo Apotheker leitet seine SAP-Aufgaben von Paris aus. Man trifft sich gelegentlich in den internationalen Metropolen, kaum aber in Walldorf. Wäre eine Übernahme durch Microsoft durch eine existierende internationale SAP-Kultur gescheitert? Oder kann SAP unter Microsoft oder IBM in die USA transferiert werden? Könnte Shai Agassi die treibende Kraft eines „SAP runs USA“ sein? In einem E-3 Exklusivinterview meinte er vor einigen Monaten dazu: „Natürlich hat jede Firma lokale Kulturen, aber wir haben eine globale SAP-Kultur, die ich extrem schätze. Sehen Sie sich das erwähnte Topmanagement an, da sind alle Nationalitäten vertreten. Wir teilen die Leidenschaft für Innovationen, haben großes Vertrauen und sind schnell und flexibel zugleich bei SAP.“

Aber noch wird SAP aus der Kleinstadt Walldorf dirigiert und noch wird Henning Kagermann das Steuer nicht aus der Hand geben. Kagermann dementierte heftig mögliche Übernahmeversuche durch IBM. Zuletzt betonte Henning Kagermann den Standort Walldorf auf der CeBIT 06 Pressekonferenz. Trotz neuen Betriebsrats in Walldorf will SAP dort bleiben, Agassi: „Das ist auch unser wichtiges Erbe, einer unserer Erfolgsfaktoren, aber nicht das Entscheidende. Wir haben Labors in Indien, Israel und Palo Alto. Aber das nützt alles nichts, wenn Sie nie in China oder Indien waren. Damit meine ich nicht die Verkäufer, sondern die Entwickler, die die Produkte bauen. Und eben nicht wegen der billigen Löhne, sondern wegen der Innovationskultur, die dort herrscht.“

Also scheint SAP letztendlich eine internationale Firma zu sein, deren Erfolg eben nicht an Walldorf hängt. Dietmar Hopp, einer der fünf SAP-Gründungsmitglieder, scheint sich des Standortes Walldorf nicht mehr so sicher zu sein, wenn nun die Gewerkschaft im Form eines Betriebsrates in Walldorf einzieht. Dieses Problem ist naturgemäß mit einer Übernahme durch IBM oder einer Übersiedlung nach Palo Alto nicht gelöst. Die zukünftige Organisationsstruktur der SAP wird nicht vom Handel des Betriebsrats abhängig sein, aber Tatsache ist, dass SAP verabsäumt hat, in Walldorf ein offenes IT-Biotop gedeihen zu lassen. Geht man in Walldorf über die Straße, kommt man von SAP und geht zu SAP. Shai Agassi ist in Palo Alto mit Sicherheit eine andere Kommunikationskultur gewohnt. Nach Meinung vieler Experten braucht SAP eine offene IT-Infrastruktur.

Somit bleibt es bezeichnend, dass Léo Apotheker in Paris bleibt und Shai Agassi in Palo Alto. Wie halten Sie den Kontakt zu Henning Kagermann, haben wir Shai Agassi gefragt: „Wir telefonieren zwei- bis dreimal die Woche und sehen uns bis zu dreimal pro Monat. Das Management ist global und wenn sich unsere Routen irgendwo kreuzen, dann gehen wir essen. Da sind wir mitunter recht spontan.“ Und zu Léo Apotheker? „Wann immer wir uns in derselben Region aufhalten, sehen wir uns, das geht schnell und unkompliziert – egal ob in Paris, Palo Alto oder New York.“

Ist also Walldorf der Nabel der ERP-Welt und kann man dieses Zentrum verpflanzen? Als Microsoft an die Tür von SAP klopfte, waren sich viele Experten der Meinung, dass das nicht gut gehen wird. Angeblich waren auch SAP-Gründungsmitglieder für eine Übernahme, dennoch kam diese nicht zu Stande. Jetzt versucht es IBM. Dem IT-Weltkonzern ist eine Aktion „SAP runs USA“ schon eher zuzutrauen. Momentan will jedoch noch niemand sagen, wer hinter diesem Ansinn steckt. Geht etwa die IBM-Initiative von Shai Agassi aus? Oder war die neuerliche Idee, SAP zu Übernehmen, ein rein amerikanische IBM-Idee?

Angesprochen auf die Bedeutung eines Standorts wie Walldorf meint er: „Parallel zu Walldorf sind wir weltweit auch vor Ort. Wir haben Labors in Indien, Palo Alto, Israel, Japan, überall. Wir sind nicht nur mit unseren Verkäufern überall präsent, sondern auch mit unserer Entwicklungsmannschaft, damit wir auch das lokale Geschäft verstehen und umsetzen können. Wir gehen in viele Ländern nicht wegen der günstigen Entwicklungskosten, sondern um auch Innovation dort zu betreiben.“

Virtuos durchstreift SAP-Vorstand Shai Agassi die IT-Welt. Er treibt bei SAP das Thema ERP-Innovation wie kein anderer. Er scheint der legitime Nachfolger von Gründer und Vordenker Hasso Plattner zu sein. Seine Begeisterung für gelungene Lösungen und innovative Technik ist der des SAP-Mitbegründers ebenbürtig. Der charmante Sunnyboy kam sprichwörtlich aus dem Nichts – zumindest für die SAP-Gemeinde.

Ein junger Israeli namens Shai Agassi stürmte direkt und ohne großen Umweg ziemlich schnell in die Vorstandsetage. Er wird „CEO in der Warteschleife“, schließlich hat ihm Firmengründer Hasso Platter vor seinem Rückzug aus dem Tagesgeschäft die technische Entwicklung und damit auch die Verantwortung für künftige Produktstrategien des Softwarehauses in die Hände gelegt. Im März vergangenen Jahres übernahm Agassi die komplette Verantwortung für die Produktentwicklung.

Der Zeitpunkt war von Plattner wohl gut gewählt, schließlich steht der Konzern an einer entscheidenden Zeitenwende. Seine neue Mission: Beim SAP-Kunden aus dem CIO einen Chief Process Innovation Officer (CPIO) zu machen, das heißt, das Denken der IT-Chefs weg von der Technik hin zur Strategie zu führen. „Strategic Technology“ nennt Agassi das. Dazu startete er dieses Jahr eine Vortragsserie mit Kick-off nicht in Palo Alto sondern in Hannover auf der CeBIT 2006, siehe auch E-3 Ausgabe April 06, Seite 8. Jetzt folgte die Fortsetzung in den USA, siehe Seite 35 dieser Ausgabe.

Shai Agassis Credo: Enterprise Services bauen auf standardisierten Web-Services auf und bilden eine universale Wirtschaftssemantik für Geschäftslösungen. Diese Semantik ermöglicht es unabhängigen Softwareherstellern (ISVs), Systemintegratoren, Partnern, Kunden und SAP selbst, darauf aufbauende innovative Geschäftsprozesse zu entwerfen und dabei die Funktionalität, Stabilität und Performanz der Lösungsumgebung sicher zu stellen. Technologie-Anbieter und unabhängige Softwarehäuser werden die Möglichkeit erhalten, ihre Produkte als Enterprise Services-Ready zertifizieren zu lassen und damit einen optimalen Einsatz der Enterprise Services und deren korrekter Implementierung zu garantieren. Die mit diesem Zertifikat ausgezeichneten Produkte nutzen standardisierte Web Services, um Kunden größere Flexibilität, schnellere Einsatzfähigkeit, geringere Betriebskosten und verminderte Implementierungsrisiken bieten zu können.

Wer Agassi so in Hannover reden hörte, konnte sich des Eindrucks kaum mehr erwehren, dass SAP vielleicht schon vor einiger Zeit in den USA angekommen ist.

Agassi betonte bereits in Hannover, dass SAP hervorragend positioniert sei, um auch für die neueste technologische Ära – die der Web Services – ein vertrauenswürdiger Partner zu sein. „Die heutigen Geschäftsanforderungen verlangen nach deutlich erhöhter Flexibilität und Geschwindigkeit. Diese Anforderungen können erfüllt werden, wenn unsere Kunden auf servicebasierte Lösungen umsteigen“, erklärte Agassi. Diese nächste Welle der Innovation werde nicht nur durch die technische Infrastruktur, sondern vor allem durch die Übereinkunft auf eine gemeinsame Geschäftssemantik getrieben. Erst dies ermögliche Kunden die rasche Änderung ihrer Geschäftsprozesse, um neuen Anforderungen schnell zu begegnen. „SAP arbeitet daran, sowohl die Infrastruktur als auch die Geschäftssemantik zu liefern, die wirklich globale Geschäftsprozesse möglich macht.“ Um die notwendigen Web Services für das Geschäft von morgen zu erstellen, bietet SAP auf Basis von NetWeaver eine Geschäftsprozessplattform, die Unternehmen als solides Fundament für ihren Geschäftserfolg nutzen können. SAP wird weiterhin in den Aufbau eines starken Partnernetzwerks investieren – in ein Ökosystem, das Web Services nutzen wird, um eine neue Welle der Innovation anzustoßen. Und um den Kunden die flexiblen Lösungen zu bieten, die sie benötigen.

Gegenüber E-3 meinte Agassi, dass es letztendlich der Wille zum Gestalten war, der ihn motivierte sein eigenes Unternehmen zu gründen. Er selbst bezeichnete es als Sandkiste, um seine Ideen auszuprobieren. „Und heute sitze ich in der größten davon“, erklärte Agassi in Anspielung auf seinen aktuellen Job und seinen Arbeitsplatz in Palo Alto. Seine zahlreichen Sandkisten bei SAP haben unterschiedliche Namen: NetWeaver, Business One, xApps, etc. Eine wichtige und aktuelle Baustelle ist ESA (Enterprise Services Architecture).

SAP wird mit dem „Enterprise Services Community Process“ ein offenes, branchenübergreifendes Forum ins Leben rufen, das Rahmenbedingungen und Standards für die Entwicklung von Enterprise Services als Basis für innovative Geschäftsprozesse setzt. „Dank der zahlreichen Partner, die im Rahmen des Forums gemeinsam mit uns weitere Enterprise Services entwickeln, werden wir unseren Kunden schon bald Tausende von Services zur Verfügung stellen können“, beschreibt Shai Agassi sein Vorhaben als Verantwortlicher für Produktentwicklung und Technologie. „Durch die enge Zusammenarbeit unseres Ecosystems können Kunden innovative Technologien zeitnah und ohne Implementierungs- oder Integrationsprobleme erhalten. Die Voraussetzungen dafür liegen in einer Service-orientierten Softwarearchitektur. SAP ist einer der wenigen Anbieter, neben IBM und Oracle, der mit ESA ein unternehmensweites, serviceorientiertes Architekturkonzept, mit NetWeaver über die erforderliche Technologieplattform und mit einem Repository von über 500 Enterprise-Services über das nötige Fundament einsetzbarer Anwendungskomponenten verfügt. Mit dem Enterprise Services Community Process kommt jetzt noch eine offene Entwicklergemeinschaft hinzu.“ Ein Problem, das die gesamte Software-Industrie betrifft und auch SAP, ist der Umstand, dass Anwender ihre implementierte, lauffähige und stabile Software lieben. Die Anwender bleiben bei Windows 2000 und R/3 Version 4.6c. Wie will man diese Kunden in Zukunft überzeugen? Agassi: „Viele Innovationen der jüngeren Zeit haben den Endanwender zum Ziel gehabt. Zum Beispiel Medocino, Analytics, die xApps, etc. Hier findet sich das erwähnte Potential, um kontinuierlich zu wachsen. Unser Ziel ist es mehr Funktionalität noch mehr Anwender zu bringen. Das ist ein sehr interessantes Wachstum. Wir müssen nicht alle Kunden an einem Tag upgraden. Das Interessante an der Sache ist, wenn nur 10 Prozent unserer Bestandskunden jährlich einen Upgrade machen, wir bereits 3.000 neue Versionen mehr installiert haben. Wenn 20 Prozent einen Release-Wechsel planen, sind das 6.000 neue Kunden – eben die Größenordnung von PeopleSoft. Nur um einmal die Verhältnisse wieder richtig zu stellen. Unsere Zahl an Kunden und Partner, eben der gesamten SAP-Community, sind so groß, dass wir hier über einen langen Zeitraum reden.“

Dass angesichts dieser Rechenbeispiel auch IBM Appetit auf SAP bekommt ist verständlich. Inwieweit sich jedoch Shai Agassis NetWeaver mit einem IBM WebSphere vertragen können, bleibt mehr als ungewiss.  Auf die abschließende Frage wie er seine Zukunft bei SAP sieht antwortete Agassi bereits vor einem halben Jahr: „Ehrlich gesagt, hoffe ich, dass Henning seinen Vertrag ewig verlängert. Wir könnten keinen besseren CEO haben. Ich liebe das, was ich tue, und ihm geht das auch so. Ich möchte so lange wie möglich genau auf dem Job bleiben.“ Also bleibt SAP in Deutschland und Agassi kann weiter in seinen Sandkisten in Palo Alto experimentieren.

 

Shai Agassi

Shai Agassi ist Vorstandsmitglied der SAP AG. Er ist für die Technologiestrategie und deren Umsetzung verantwortlich. Agassi ist dabei für die Entwicklung der Integrationsplattform SAP NetWeaver, SAP xApps, packaged composite applications mySAP SRM und Business One zuständig.

Vor seiner Berufung zum Vorstandsmitglied leitete Agassi die SAP Tochtergesellschaft SAP Portals. Im Zuge der Zusammenführung von SAP Portals und SAP Markets übernahm Agassi die Leitung dieser neuen Einheit. Agassi ist seit 2002 Vorstandsmitglied. Zusammen mit Peter Zencke, dem Leiter des Bereichs Application Platform & Architecture (AP&A), verantwortet Agassi das Suite Architecture Team, das die Software-Architektur über alle SAP-Lösungen hinweg anpasst.

Bevor Agassi 2001 für SAP tätig wurde, war er Chairman, Chief Technical Officer (CTO) und Chief Executive Officer (CEO) bei TopTier Software (ursprünglich unter dem Namen Quicksoft Development bekannt), einem führenden Systemhaus für Portallösungen mit Sitz in Kalifornien.

Er gründete TopTier Software 1992 in Israel. Agassi war für die strategische Planung von TopTier Software sowie die Bereiche Technik und Finanzen verantwortlich. Er hat zwei Unternehmensakquisitionen sowie die Verhandlungen für die OEM (original equipment manufacturer) Abkommen mit SAP, Baan und Microsoft abgewickelt. Im April 2001 hat SAP TopTier erworben.

Neben TopTier Software gründete Agassi noch weitere Unternehmen: Quicksoft Ltd. – ein Unternehmen, das sich auf die Lokalisierung und den Vertrieb von Multimedia Software im israelischen Markt spezialisiert, sowie Quicksoft Media, ein Multimedia-Produktionsunternehmen, das im Zuge von Agassis Umzug nach Kalifornien eingestellt wurde.

Agassi studierte Informatik an der Technion (Israel Institute of Technology) und graduierte mit Auszeichnung.Der Startpunkt einer erfolgreichen und internationalen Karriere.


Am Anfang programmierte er ABAPs und heute leitet er den ERP-Weltmarktführer.

Henning Kagermann

Henning Kagermann ist Vorstandsvorsitzender und Vorstandssprecher der SAP AG. Er arbeitet seit 1982 für das Unternehmen. Er ist Vorstandsmitglied seit 1991. Sein aktueller Vorstandvertrag läuft noch bis 2007. Branchenkenner gehen davon aus, dass Kagermann bis mindestens 2010 bleiben wird. Sein Verantwortungsbereich ist die die Strategie und Unternehmensentwicklung, Unternehmenskommunikation, Patente, interne Revision und das Management von Spitzentalenten. Er hat Mitgliedschaft in folgenden Aufsichtsräten: Deutsche Bank, DaimlerChrysler Financial Services und Münchener Rückversicherung.


Peter Zenke arbeitet mehr im Hintergrund, er hat den weiten Blick nach vorne für Innovationen.

Peter Zencke

Peter Zencke ist seit 1984 bei SAP und im Vorstand seit 1993. Er galt lange Zeit als der Technik-Guru und Verkünder von Innovationen, eine Rolle, die ihm heute von Shai Agassi aus der Hand genommen wurde. Er ist offiziell noch für Forschung und Anwendungsplattformen verantwortlich, Sein aktueller Vorstandsvertrag läuft noch bis 2008, eine Verlängerung des Vertrags gilt als unwahrscheinlich. Zu sehr überschneidet sich momentan sein Tätigkeitsfeld mit dem Ambitionen von Shai Agassi und andere Verantwortungsgebiete scheinen nicht in Frage zu kommen.  Er ist Mitglied des Aufsichtsrats der SupplyOn AG.


E-3 Magazin Mai 2006, Seite 32, Coverstory

Gerd OSwald und sein Solution Manager sind ein fester Bestandteil der SAP-Community.

Gerd Oswald

Gerhard Oswald ist seit 1981 bei der SAP und Vorstandsmitglied seit 1996. Sein Vertrag läuft noch bis 2010. Eine Verlängerung um eine weitere Periode ist möglich. Auf den ersten Blick erscheint sein Verantwortungsbereich einfach und überschaubar: Globaler Service und Support, sowie kundenspezifische Entwicklungen. Dahinter verbergen sich aber die Servicelizenzeinnahmen der SAP. Damit ist Vorstandsmitglied Oswald sowohl indirekt als auch direkt für einen Großteil des SAP-Umsatzes mitverantwortlich. Er bestimmt die Serviceangebote, die Lizenzsätze und ist für den Solutions Managers  verantwortlich.


Der internationale SAP-Manager mit Amtssitz in Paris. Er ist momentan die rechte Hand von Kagermann.

Léo Apotheker

Léo Apotheker ist seit 1988 bei SAP und Vorstandsmitglied seit 2002, damit ist er nicht nach dem Lebensalter, aber nach der Vorstandszugehörigkeit das jüngste Mitglied im siebenköpfigen SAP-Vorstand. Seit Vertrag läuft noch bis 2010. Analysten meinen, dass er dann Henning Kagermann beerben wird. Trotz Berufung in den Vorstand blieb sein offizieller Amtssitz weiterhin in Paris. Im Konzern ist er vorrangig für den internationalen Vertrieb verantwortlich, sowie für Beratung, Schulung und Marketing. Er ist Mitglied des Aufsichtsrats der Ginger Group, Paris, und Verwaltungsrat der AXA, Paris.

 


Der Finanzvorstand ist mächtig, einmal im Jahr tritt er in der  Bilanzpressekonferenz öffentlich auf.

Werner Brandt

Werner Brandt ist der mächtige Finanzvorstand der SAP. Einmal im Jahr, anlässlich der SAP-Bilanzpressekonferenz tritt er neben Henning Kagermann und Léo Apotheker öffentlich auf. Den Rest des Jahres sieht man ihn wenig und liest nur gelegentlich in Finazmagazinen etwas von ihm. Er ist seit 2001 bei der SAP und Vorstandsmitglied. Sein Vertrag läuft bis 2009. Neben seiner Haupttätigkeit als Finanzvorstand ist er im Konzern noch für folgende Aufgaben verantwortlich: Administration, Shared Services, SAP Ventures. Er ist Mitglied des Aufsichtsrat der LSG Lufthansa Service Holding AG.


Er ist mit Engagement Universitäts Professor und nimmt diese Lehrtätigkeit auch noch wahr.

Claus Heinrich

Claus E. Heinrich ist SAP Vorstandsmitglied seit 1996 und zusätzlich SAP-Arbeitsdirektor. Er arbeitet für SAP seit 1987 und verantwortet heute ein sehr heterogenes Tätigkeitsfeld. Er ist sowohl für das Personalwesen als auch für das Qualitätsmanagement, die interne IT und die weltweiten SAP-Entwicklungszentren und Labs verantwortlich. Eines seiner IT-Hobbys ist RFID. Er hat schon früh den Stellenwert von Adaptive Business erfasst und dazu ein bemerkenswertes Buch veröffentlich. Sein Vorstandsvertrag läuft noch bis 2010. Es ist unwahrscheinlich, dass er diesen verlängern wird.

 


Wer hält die Technologieführerschaft bei SAP?

Hightech gehört zu Agassi

Niemand hat ihn gebeten, niemand hat in beauftrag, niemand hat ihn angekündigt. Shai Agassi hat autonom und selbstbewusst die Technologieführerschaft innerhalb des ERP-Konzerns übernommen. Walldorf hat seine Kompetenz an Palo Alto abtreten müssen.

Shai Agassi versteht nicht nur sehr viel von Technik, er ist auch ein ausgezeichneter Stratege. Den Anspruch, dass er der Vordenker in Sachen Software Engineering und IT-Innovationen ist, stellte er nicht im sonnigen Kalifornien oder aus sicherer Entfernung in Indien, sondern Anfang dieses Jahres im Herzen des ERP-Weltmarktführers in Deutschland, genauer in Hannover auf der CeBIT 2006. Während SAP-Vorstandsvorsitzender Henning Kagermann mit seinem Deutschen Geschäftsführer Michael Kleinemeier die obligate CeBIT-Pressekonferenz absolvierte, konnte am Vortag Shai Agassi einige hundert IT-Manager mit seinen innovativen Ideen begeistern.

Hannover war das Kick-off einer Reihe von Trend-Vorträgen, in denen Agassi die Entwicklung der SAP, aber auch des professionellen IT-Marktes dieses Jahr skizzieren wird. Damit hat er nicht nur Henning Kagermann ausgebremst sondern auch Peter Zenke und Gerd Oswald auf Distanz gehalten. Im einem E-3 Exklusiv-Interview hatte Shai Agassi schon vor einem halben Jahr seinen Forscherdrang betont und gemeint, dass in mehr als alles andere Innovationen vorantreiben. Jetzt hat er mit seiner geplanten Serie von Technologie-Vorträgen Tatsachen geschaffen und damit seine Vorstandskollegen in Walldorf ins Eck gestellt. Der erste Vortrag fand anlässlich der CeBIT in Hannover statt. Jetzt sprach Shai Agassi vor 1.500 Zuhörern in den USA über das Thema IT-Infrastrukturwandel..

Gegenüber E-3 meinte Agassi, dass es letztendlich der Wille zum Gestalten war, der ihn motivierte sein eigenes Unternehmen zu gründen. Er selbst bezeichnete es als Sandkiste, um seine Ideen auszuprobieren. „Und heute sitze ich in der größten davon“, erklärte Agassi in Anspielung auf seinen aktuellen Job und seinen Arbeitsplatz in Palo Alto. Seine zahlreichen Sandkisten bei SAP haben unterschiedliche Namen: NetWeaver, Business One, xApps, etc. Eine wichtige und aktuelle Baustelle ist ESA.. SAP wird mit dem „Enterprise Services Community Process“ ein offenes, branchenübergreifendes Forum ins Leben rufen, das Rahmenbedingungen und Standards für die Entwicklung von Enterprise Services als Basis für innovative Geschäftsprozesse setzt.

Fünf Trends skizzierte Agassi Mitte April vor 1.500 Experten in den USA:

Ich glaube, dass eine flexible und effiziente Informationstechnologie für betriebswirtschaftliche Aufgaben eine einheitliche, konsolidierte und singuläre Plattform mit einem integrierten Repository für kohärente Web-Services braucht.

SAP ist überzeugt, dass der IT-Markt sich von punktuell hervorragenden Lösungen hin zum Angebot vernetzter Funktionalität bewegt. Die ganzheitliche Sichtweise auf die Aufbau- und Ablauforganisation bringt den geforderten Mehrwert und eben nicht die geniale, singuläre Lösung in einer Nische.

Shai Agassi sieht, dass die SAP-Bestandskunden und Anwender mit ihren aktuellen IT-Lösungen zufrieden sind, aber sich für die Zukunft eine bessere Einbindung in Geschäftsprozesse wünschen. Zukünftig wird man für die erfolgreiche, operative Arbeit eine stärkere Bindung zu den Geschäftsabläufen und ein tieferes Verständnis des Imformationsflusses brauchen.

SAP ist fest vom Mehrwert partnerschaftlicher Ecosysteme überzeugt. Services entstehen in einem solchen Umfeld besser und schneller und preiswerter als sogenannte Innovationen eines einzelnen Anbieters. Damit ist SAP um einen intensiven Ausbau seines Developer Networks und Enterprise Services Community Process bemüht.

Letztendlich ist Agassi überzeugt, dass Informationstechnologie noch mehr als in der Vergangenheit die Unternehmensstrategie beeinflussen wird, wenn innovative Geschäftsprozesse in IT-Lösungen umgesetzt werden. Business Process Management wir der IT einen neuen Stellenwert innerhalb eines Unternehmens geben.

Quelle: www.sap.com/community


Die Diskussion um einen Betriebsrat und das Arbeitsklima in Walldorf ist nicht neu

Über die Straße ist SAP

Wer die Möglichkeit diskutiert, dass letztendlich die SAP-Zentrale in den USA sein wird, muss auch berücksichtigen, wenn man in Walldorf ein SAP-Gebäude verlässt und über die Straße geht, landet man wieder bei SAP. Die Gefahr der Inzucht ist hier immer gegeben.

In Wien treffen sich die ansässigen MarCom-Manager der einschlägigen IT-Unternehmen inoffiziell einmal pro Quartal beim Heurigen. Solche Treffen fördern die Kommunikation und die Toleranz. Wenn jeder für ein paar Stunden seinen Elfenbeinturm verlässt, ist konstruktiver Wettbewerb, Erfahrungsaustausch und respektvolles Miteinander möglich. In Walldorf hingegen ist die Dichte an SAP-Mietarbeitern gefährlich hoch: Ein Meinungsaustausch mit anders Denken ist nur schwer möglich. Eine Öffnung des Horizonts ob in Europa (Paris, Berlin, etc.) oder USA (Palo Alto, New York, Philadelphia, etc.) wäre sicher sehr förderlich für den Konzern.

Im Walldorfer SAP-Ecosystem werden nun – auch gegen den kolportierten Widerstand von einigen SAP-Gründern – die Vorbereitungen zur Einsetzung eines Betriebsrats getroffen, dazu gibt es auch eine Stellungnahme des SAP-Vorstands zur Durchführung der kommenden Betriebsratswahlen:

Mit dem eindeutigen Votum gegen die Bestellung eines Wahlvorstands zur Durchführung von Betriebsratswahlen haben die Mitarbeiter der SAP AG am 2. März dieses Jahres gezeigt, dass sie mehrheitlich keinen Betriebsrat wollen. Diese Entscheidung verpflichtete auch den Vorstand, alle Möglichkeiten zu prüfen, diesem klaren Mitarbeitervotum zu entsprechen. Die Prüfung der Rechtslage ergab jedoch, dass uns die geltenden Gesetze keine Möglichkeit geben, ein für die SAP passendes Modell in Deutschland zu etablieren oder die Einsetzung eines Wahlvorstands per Gerichtsentscheid zu verhindern. Der Vorstand der SAP AG begrüßt vor diesem Hintergrund die heutige Entscheidung der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat, die Wahl eines Betriebsrats nun selbst zu organisieren. Die Arbeitnehmervertreter werden in den kommenden Wochen eine Betriebsversammlung einberufen mit dem Ziel, einen Wahlvorstand zur Durchführung von Betriebsratswahlen für die rund 9.000 Mitarbeiter an den Standorten Walldorf und St. Leon Rot zu wählen.„Es ist uns wichtig, im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben die Zusammenarbeit in unserem Unternehmen so zu gestalten, dass die vorhandenen Freiräume bestmöglich genutzt werden,“ erklärte Claus Heinrich, Vorstandsmitglied und Arbeitsdirektor. Henning Kagermann, Vorstandssprecher der SAP: „Wenn es einen Betriebsrat bei SAP geben muss, dann einen Betriebsrat aus unserer Mitte, der sich unserer besonderen Firmenkultur und unseren Werten verpflichtet fühlt.“ Es sei für das Unternehmen wichtig, dass kein fremdbestimmter Wahlvorstand per Gerichtsbeschluss eingesetzt werde, sondern dass die Mitarbeiter selbst über die Zusammensetzung des Wahlvorstands und des Betriebsrats befinden, kommentierte Henning Kagermann weiter. Der Vorstand der SAP AG stellt in diesem Zusammenhang erneut klar, dass es zurzeit keine Pläne für eine Umwandlung der Rechtsform in eine Europa AG gibt. Das Unternehmen prüft seit Herbst 2005 die Vor- und Nachteile dieser Rechtsform. Die Überprüfung steht in keinem Zusammenhang mit der Diskussion um die Bildung eines Betriebsrats.

Interessant in diesem Zusammenhang ist das internationale Echo, das diese Vorgänge in Walldorf ausgelöst haben. Stellvertretend für viele Wortmeldungen, soll speziell auf eine sehr pointierte und etwas außerhalb der allgemeinen Sichtweise befindliche Stellungnahme hier zitiert werden:

Der Wiener Gewerbeverein schrieb in einer Aussendung Anfang März dieses Jahres: SAP, der EDV-Gigant ohne Betriebsrat - das kann nur schief gehen! Trotzdem wurde er erneut als "Deutschlands bester Arbeitgeber" ausgezeichnet! Bei dem Software-Unternehmen SAP wird es auch künftig keinen Betriebsrat geben. Die Belegschaft sprach sich mit großer Mehrheit dagegen aus. Die zuständige Gewerkschaft IG Metall schäumt und erwägt nun offenbar juristische Schritte. Damit ist wohl der Beweis erbracht, dass Gewerkschaften nicht immer das Beste für Mitarbeiter wollen, wohl aber das Beste für sich selbst - schließt der Österreichische Gewerbeverein (ÖGV) messerscharf. Wohlgemerkt: Es wird vereinzelt Konstellationen geben, wo nicht von der Gewerkschaft ferngesteuerte Betriebsräte Sinn machen. Aber sich bei einem überwältigenden Mitarbeitervotum gegen einen Betriebsrat rechtlich als Gewerkschaft in ein Unternehmen reklamieren zu wollen, ist schlicht eine Frechheit. Auf einer Betriebsversammlung votierte die SAP-Belegschaft mit knapp über 90 Prozent gegen eine organisierte Arbeitnehmervertretung. Lediglich 9,4 Prozent waren für die Konstituierung eines Betriebsrates. Schon in der Vergangenheit hatte die Belegschaft des erfolgreichen Walldorfer Unternehmens gegen einen Betriebsrat gestimmt. Von der Geschäftsführung wurde die Befürchtung geäußert, ein Betriebsrat könnte von der IG Metall ferngesteuert werden. Das stellt sich jetzt als Faktum heraus, wenn man sieht wie furios eine Gewerkschaft reagiert, wenn sie nicht every employees darling ist. Denn SAPs Darling ist der Arbeitgeber selbst. Vielleicht wissen die Mitarbeiter selbst, was ihnen behagt? Man muss sich vorstellen: SAP wurde 1972 gegründet und beschäftigt derzeit weltweit 36.000 Beschäftigte. 34 Jahre ist das betriebsratslos sehr gut gegangen. Offenbar hat jetzt gerade ein historisch belesener Gewerkschafter entziffert, was SAP denn tatsächlich bedeutete: sozialistische Arbeiterpartei. Und die soll keinen Betriebsrat haben?(Ende des Zitats)

E-3 Magazin: Ausgabe Juli/Augugst 2010

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