Februar
2010

Hallo und guten Tag!

E-3 Kolumne von Jörg Geulen: Aus dem Leben eines SAP-Community-Mitglieds

Wer täglich mit der SAP-Community in Kontakt steht, erlebt nicht nur beruflich viel und Lehrreiches. Im Sinne des „Community-Buildings“ finden sich immer wieder Personen, die gerne ihre Erfahrungen teilen: Jörg Geulen ist einer von ihnen.

Na, sind Sie gut ins neue Jahr gekommen? Was machen die Vorsätze? Sind die schon dem Alltagstrott gewichen, halten Sie noch durch oder gehören Sie zu denjenigen, die sich einfach nichts mehr vornehmen? Ich habe dieses Mal nur einen Vorsatz gefasst: unserer Jugend mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Meine Frau und ich haben dieses Jahr die Feiertage in Istanbul verbracht. Neben den „klassischen“ kulturellen Unterschieden ist uns eines besonders aufgefallen: die vielen jungen Menschen, „The Next Generation“. Am Anfang konnten wir noch nicht genau benennen, warum wir das Gefühl hatten, dass die Stadt so anders vibriert, pulsiert einfach anders lebt, als wir es von daheim gewohnt sind. Doch auf einmal war es klar: Es sind hier unglaublich viele junge Menschen unterwegs. Egal ob in Taksim, der Neustadt, oder der Altstadt mit seinen Basaren, überall waren die Jungen in der Überzahl. Ganz im Kontrast zu dem, was man mittlerweile in unseren deutschen Innenstädten erlebt. Hier lässt sich wirklich nicht mehr verleugnen, dass der demografische Wandel nicht nur auf dem Papier, sondern auch in unserem Alltagsleben angekommen ist. Klar, gehört hat man schon einiges darüber, doch es letztlich einmal so deutlich vor Augen zu haben, ist schon eine andere Dimension.
Was man in Istanbul deutlich spürte: Es ist die Jugend, die die Gesellschaft vorantreibt. Es sind die Jungen, die maßgeblich die gesellschaftliche Entwicklung beeinflussen – dank ihrer Unbekümmertheit und Lust, Neues auszuprobieren, Altes infrage zu stellen und gegen das Establishment zu rebellieren. Doch wie wird das künftig bei uns in Deutschland sein? Mangels Masse geschlossen? Werden es die wenigen Jungen schaffen, sich Gehör bei uns Alten zu verschaffen? Wird sich die jugendliche Minderheit gegen die ergraute Mehrheit durchsetzen können?

Schauen Sie sich einfach einmal die bestehende Lernkultur in unserer Schul- und Arbeitswelt an und vergleichen Sie sie mit dem, wie ein heutiger Schüler/Student eigentlich im privaten Umfeld lernt und sich Wissen aneignet. Fast alle sind mittlerweile „Multitasker“, das heißt, sie sitzen vor ihrem PC, erledigen ihre Hausaufgaben, indem sie parallel mit Freunden online chatten, sich zu Fragen in Foren austauschen, telefonieren und nebenbei auch noch Musik hören. Man arbeitet cross-medial vernetzt, erledigt Aufgabenstellungen interdisziplinär in Teams, arbeitet sich nicht mehr systematisch durch Handbücher, sondern klickt sich von Link zu Link. Selbststeuerung, ständige neue Herausforderungen und Vertiefung durch Anwendung sind gelebter Alltag bei der „Next Generation“. Und dann treffen sie tagtäglich in der Schule und an der Uni auf Frontalunterricht – einem in ihren Augen überholten System, das sie wie auch der spätere Berufsalltag zwingt, „systemisch linear“ statt „explorativ“ zu arbeiten. Und in der Arbeitswelt schaut es ähnlich aus – oder berücksichtigt Ihre unternehmerische Lernkultur diese vernetzten Vorgehensweisen?

Meine Conclusio lautet: Hören wir den jungen Menschen mehr zu, schauen wir uns an, wie sie Dinge angehen. Lassen Sie uns von ihnen lernen. Denn letztlich sind sie die „Digital Natives“ und wir nur die „Digital Immigrants“. Wir haben zwar die neuen Informationstechnologien begründet und mit ihrer Hilfe unsere Umwelt adaptiert. Sie hingegen wurden in diese Umwelt geboren und sind mit ihr spielerisch aufgewachsen. Sie wollen nicht wissen, wie Technik funktioniert, sie nutzen sie einfach. Denn eines sollten wir nicht vergessen – spätestens beim Eintreten dieser „Digital Natives“ in die Führungsebenen wird es zu einem radikalen Umdenken in Unternehmensführungen kommen. Warum also nicht schon jetzt umdenken …?

In diesem Sinne …
Görüürüz - bis die Tage!

E-3 Juni 2013
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