Dezember
2009

SAP TechEd 09 Wien

Kommentar: SAP TechEd 09 Wien – Neue Technologien für neue Prozesse oder bessere Lösungen für bessere Prozesse

Überrascht war ich bereits von der Keynote. Jim Hagemann Snabe, seines Zeichens zuständig im Vorstand der SAP für die Bereiche Business Solutions and Technology Organization. Anmoderiert wurde er vom eloquenten Mark Yolton. Ein guter Start, dachte ich. Von Stefan Eller, Geschäftsführer ITML

Als Jim aufs Podium kam, war ich wirklich überrascht. Ohne Krawatte, das Hemd offen, die Hose leicht angeknittert, sprach der sympathische Vorstand in bester Laune zu uns – den Technik-Freaks im SAP-Lager. Klarheit und Transparenz waren auch hier wieder die deutlichen Worte, welche die neue Strategie der SAP zum Ausdruck bringen soll. Sehr betont wurde aber vor allem der Slogan „Speed for change“. Es geht also hier und heute um Veränderungsprozesse. Dann eine weitere Überraschung: Als Exkurs zu Jims Keynote übernimmt Mark Yolton die Ansprache und ruft dann auch gleich die Firma Valero Energy Corporation auf, um eine portalbasierte Lösung für über 20.000 Mitarbeiter des Mineralölunternehmens live zu zeigen. Mutig, dachte ich. Nayaki Nayyar, Vice President Enterprise Architecture and Technical Services von Valero brillierte gekonnt, doch Murphy’s Law schlug wieder zu. Natürlich kam es zu unerwünschten Systemmeldungen und Fehlern, welche aber elegant umgangen wurden.
 
Neben dem Kunden-Beispiel von Valero durfte aber Ian Kimbell nicht fehlen. Ian tritt regelmäßig mit den Vorständen auf. Zuletzt sah ich ihn bei der SAP World Tour zusammen mit Hasso Plattner in Mannheim agieren. Ist eine echte Show – der kann Software lebendig zeigen – Respekt. Interessiert habe ich beobachtet, wie SAP in den neuen Demos geschickt andere coole Lösungen einbaut, um ganz bewusst ein Image aufzubauen, welches jung, frisch und innovativ ist. So wurden in den Demos neben zahlreichen Google Tools (Google Wave) auch Features von Apple demonstriert. Das iPhone war somit in zahlreichen Demos das Eingabemedium. Aber nun genug des Lobes über die gelungene Keynote – ab in die Foren und Workout Sessions:

Benutzeroberflächen

User Interaction Strategy – oder die Frage nach neuen, modernen Benutzeroberflächen: Die erste Session mit dem Titel „SAP’s User Interaction Strategy: Introduction and Novelties in the Next Release of SAP Netweaver“ kündigte mehr an, als dann tatsächlich zu sehen war. Dargestellt wurden die Lösungen: Web Dynpro ABAP, Web Dynpro Java, Visual Composer und Enterprise Portals. Also erst einmal nichts Neues. Themen wie mobile Endgeräte und moderne Technologien wie Silverlight, Macromedia Flex, Java FX, Adobe Air usw. wurden als „Web Dynpro Islands“ kurz angeschnitten, aber als nicht notwendig für Business-User betrachtet. „Ein Lagermitarbeiter benötigt keine grafisch schön gemachten Masken.“ Das sehe ich anders und der Erfolg von Apple zeigt, dass mit Design die Gefälligkeit der Massen erreicht werden kann.

Schade ist, dass die Oberflächentechnologie des SAP-CRM wieder als Insellösung herausgestellt wurde. SAP hat viel Aufwand in das Redesign des SAP-CRM gesteckt und jetzt muss der Bestandskunde feststellen, dass eine Technologie verwendet wurde, welche in keinen weiteren Produkten eingesetzt werden wird! Die Designs der verschiedenen Oberflächen-Lösungen werden im „Signature Design“ harmonisiert. Ein guter Schritt in die richtige Richtung! Leider bleiben die verschiedenen Lösungen, welche auf strategischen Entscheidungen der Vergangenheit entstanden sind.

Accelerated Application Delivery

Man arbeitet in Walldorf an Stabilität und an Performance-Verbesserungen. Dazu wurde an Optimierung bei WAN-Verbindungen gearbeitet (Stichwort: Accelerated Application Delivery), aber auch spaltenorientierte Datenbanken und die damit einhergehende Idee der hauptspeicherbasierten Datenverarbeitung war wieder ein Thema. Hasso Plattner hat hier durch seine Ansprachen auf der Sapphire und der SAP World Tour ganz schön was bewegt! Interessant war auch, dass der Anteil des Enterprise-Portals sehr hoch angesetzt war. Hier scheint durch, dass SAP erhebliche Anstrengungen unternimmt, um diesen Technologiebereich wiederzubeleben. SAP zeigte, dass an den Schwachstellen gearbeitet wurde – hier kann man also gespannt auf die neuen Releases in 2010 sein (das neue Release soll in Q3/2010 in den Ramp-Up gehen).

Fazit: Die bestehenden Lösungen sind okay. Mehr aber auch leider nicht. Es fehlt meines Erachtens an einer einheitlichen Strategie sowie der konsequenten Umsetzung. Schade, dass wir verschiedene Backend-Systeme (ERP, SCM, BI etc.) haben – umso ärgerlicher sind dann noch verschiedene Benutzeroberflächen mit verschiedenen Technologien.

NetWeaver-BPM


Enterprise Modelling – From Conceptual Planning to Technical Blueprints oder die Frage: Taugt Business Process Management by SAP? Der Titel hat mich angemacht. Wie kann man in Kundenprojekten die Anforderungen konzeptionell aufnehmen und daraus einen integrierten technischen Blueprint gestalten. Diese Aufgabe stellt uns der Kunde in jedem Projekt – also ein wichtiger Vortrag für mich. Die gezeigte Lösung: Man nehme ARIS, den Solution Manager und die neue Lösung SAP NetWeaver-Business-Process-Management und verbinde diese über Schnittstellen, um dann eine Software zu gestalten, mit welcher eine Kundenanfrage über einen Web-Dialog abgebildet werden kann. Natürlich SOA-basiert! Mich würde der Aufwand dafür interessieren. Ich verspreche mir sehr viel von den neuen BPM-Möglichkeiten – meine Angst besteht nur darin, dass es wieder mal eine Lösung wird, welche 20 Tage zur Installation bedarf und in der Anwendung komplex wird. Der Mittelstand benötigt schlanke Lösungen. Am HPI (Hasso-Plattner-Institut) in Potsdam wird fleißig an den BPM-Themen gearbeitet. Einige der Forschungsteilnehmer haben sich selbstständig gemacht und eine webbasierte einfache Oberfläche erstellt. Dies könnte ein Ansatz für den Mittelstand sein. Mal sehen, wie SAP dieses Thema im Mittelstand unterbringen wird – ich hoffe das Beste, da es für die Prozess-Optimierung ein wichtiges Werkzeug werden wird.

Enterprise Search


Enterprise Search oder die Nadel im Heuhaufen finden: Wie schön wäre eine generelle Suche, welche nicht nur im Web, sondern eben auch in meinem Outlook und auf unserem Fileserver nach Informationen sucht. Gibt es schon? Sorry. Ja, Google und Microsoft haben hier ihre Hausaufgaben durch die Desktop-Suchmaschinen gemacht. SAP tritt nun an und arbeitet auf das Ziel hin, dass auch in Belegen und Objekten aus SAP-Systemen wie ERP und CRM nach Informationen gesucht werden kann. Die Lösung kommt mit einer eigenen Oberfläche daher, welche im nächsten Release (geplant für Q1/2010) ein neues Design erhält. Implementiert wurde diese neue Oberfläche mit WebDynpro für ABAP. Installationsseitig kann man Enterprise Search auf dem bestehenden ERP mit installieren. Ein externer Server für einen TREX ist aber in jedem Fall erforderlich. Die Daten werden quasi in eine separate Box extrahiert, welche indiziert wird und somit die Suchen erst möglich macht. Nörgler könnten meinen, dass die gesamte SAP-Datenbank verdoppelt wird, jedoch ist eine performante Suche anders nicht möglich (zumindest nicht mit derzeit vorhandenen Datenbanken und Speicherkonzepten). Hat man bereits einen weiteren Server für den TREX akzeptiert, so kann man Enterprise Search auch dort mit installieren (als sogenannten Hub) und hat dadurch den Vorteil, dass weitere Backend-Systeme angeschlossen werden können (z. B. SAP CRM) und der Zugriff über eine API möglich wird. Dadurch können z. B. die Suchergebnisse in anderen Anwendungen dargestellt werden – was eventuell zu einer besseren Benutzerakzeptanz führen wird. Alternativen zu SAP Enterprise Search ergeben sich im Umfeld von Microsoft und Google. Man wird gespannt sein, wie sich der Markt der Enterprise-Suchmaschinen entwickeln wird.

SAP EcoHub


Das SAP EcoHub ist ein Online-Marktplatz, der Kunden die Möglichkeit bietet, einen Einblick in die große Auswahl verfügbarer SAP- und Partnerlösungen zu erlangen und diese auch direkt online zu kaufen. Interessant ist, dass SAP ganz gezielt in den Bereich der sogenannten Micro-Apps zielt. Kleine Lösungen auf schicken Endgeräten wie dem iPhone sollen – möglichst kostenlos – Anwendern den Zugang zu SAP-Prozessen über diese Art von kleinen Zusatzlösungen ermöglichen. Google und Apple waren auch hier ständiger Begleiter – SAP präsentiert sich innovativ. Man wird sehen, wie viele Partner tatsächlich über den EcoHub ihre Lösungen verkaufen werden. Die Idee kostenlos bereitgestellter Micro-Apps kann aber den Zugang zu neuen Kunden ermöglichen. Aus diesem Grund glaube ich an die Geschichte mit den Micro-Apps.

Demo Jam

Vorweg: Dies war das Coolste, was ich jemals auf einer Veranstaltung geboten bekommen habe. Fünf Entwickler plus der Vorjahressieger battlen im Wettbewerb um die Gunst der Zuschauer. Jeder der Entwickler (meist zwei Personen im Team) präsentierte seine Lösung in einer sechsminütigen Session und wurde über den Applaus-Lautstärkepegel des Publikums bewertet. Pfiffige Lösungen wurden gezeigt. Meist hatten die Lösungen damit zu tun, dass über andere, moderne Oberflächen der Zugriff auf das SAP-Backend möglich ist. Eine Tendenz, die sich auch auf dem Markt zeigt. So wurden neben dem iPhone auch RFID-Tokens verwendet, um Informationen an das SAP-System zu übertragen.

Wer braucht DUET?

Eine klassisch amerikanische Präsentationstechnik mit einem Bombardement von Features und Live-Demos zeigten zwei Jungs von Microsoft. Neben netten Features aus Word 2010 und Sharepoint 2010 brillierten die Herren mit integrativen Themen. Neben den reinen Integrationsservices für BSP und WebDynpro wurden vor allem die BCS (Business Connectivity Services) für Sharepoint hervorgehoben. Mit dieser Lösung können Daten aus dem SAP-System in den sogenannten Workspace eines jeden Mitarbeiters geladen werden und stehen dort offline zur Verfügung. Mit genügend Fantasie lassen sich hier also Offline-Szenarien entwickeln, welche als Benutzeroberfläche Outlook, Word und Excel nutzen. Zwar ist die Sache nicht 100 Prozent vergleichbar mit anderen mobilen Szenarien (z. B. weil ein Konflikt-Management oder eine Administration der mobilen Geräte fehlt), andererseits lassen sich damit sicher in wenigen Tagen kleine und nette Anwendungen erstellen, die einen schnellen Mehrwert liefern können. Mit Interesse habe ich verfolgt, dass diese Lösungen von Microsoft bereits Ende 2009 auf den Markt kommen werden. In Kombination mit dem neuen Windows 7 wird Microsoft hier fürs Auge den ein oder anderen von WebDynpro-basierten Lösungen weglocken können.

Mobilität


SAP NetWeaver-Mobile oder wie zukünftig mobile Anwendungen daherkommen: Vorgestellt wurde die neue Lösung NW-Mobile. Viele neue Features und die gesamte Architektur werden zukünftigen Lösungen die notwendige Stabilität bringen. Kritisch sehe ich jedoch nach wie vor, dass die Frontends in Java realisiert werden. Leider fehlt den Anwendungen aus dem Hause SAP in diesem Bereich der Charme und Glanz von modernen Benutzeroberflächen. Partner wie Sybase bauen auf dem Framework des NW-Mobile auf, verwenden jedoch für die Oberflächengestaltung ihre eigenen Komponenten – und das mit gutem Grund. Interessant an dieser Lösung ist, dass damit Anwendungen für alle sich auf dem Markt befindlichen Geräte erstellt werden können. Dazu wird die Anwendung nur einmal entwickelt (das meiste codefrei per Drag and Drop) und dann auf die Endgeräte wie Blackberry, iPhone oder Windows-Mobile verteilt. NEO Business Partner präsentierte eine eigene Suite, basierend auf dem SAP-Framework, verwendet jedoch im Frontend ein eigenes Java-Framework. Damit gelingt zwar eine etwas modernere Oberfläche, jedoch ist diese ebenfalls entfernt von heutigen Möglichkeiten. SAP Custom Development präsentierte eine Lösung, welche den uncharmanten Java-Client obsolet macht. Die Kunden der Consulting-Truppe stehen eher auf performante und visuell anziehende Clients auf Basis von .Net. So entstand ein komplettes Framework, welches zukünftig für Verwirrung innerhalb der SAP sorgen wird. Denn damit sind weit mehr Möglichkeiten vorhanden, als so manchem heute klar ist.

Stefan Eller schrieb diesen Text auf der TechEd in Wien und lieferte somit der SAP-Community eine zeitversetzte „Live-Reportage“. Sein Gesamtfazit: Gute Veranstaltung und Englisch verbessert.

www.sapteched.com/emea

E-3 Mai 2013
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