September
2009

Neue End-to-End-Architekturen

Das T-Systems-Architekturkonzept: Transformational Outsourcing

Die Entwicklung des IT- und Telekom-Marktes war in den vergangenen zwanzig Jahren einerseits sehr schnelllebig, andererseits aber auch ausgesprochen innovativ. Entschuldbar scheint es somit zu sein, dass spezifische aber wichtige Architekturkonzepte vernachlässigt wurden. Bauen war wichtiger als Planen. T-Systems will nun mit einer breit angelegten Initiative – genannt Plan–Build–Run – Versäumtes nachholen und hat konkrete Angebote für die SAP-Community.

Ferri Abolhassan, T-Systems-Geschäftsführer für den Bereich Systems Integration, ist heute überzeugt: „Wir planen für unsere Kunden die optimale ICT-Prozesslandschaft, bauen und betreiben die IT-Applikationen.“ Im Gespräch mit dem E-3 Magazin legt der T-Systems-Manager großen Wert auf den Dreiklang seines neuen Architekturkonzepts: Planen, Bauen und Betreiben, oder wie es Abolhassan erklärt: „Wir sind der einzige Anbieter auf dem Markt, der als Architekt, Bauherr und Gebäudemanager auftreten kann und dabei über alle Möglichkeiten der IT und Kommunikationstechnik verfügt!“

Das Konzept der T-Systems beruht auf zwei Erkenntnissen und mündet in dem systematischen Ansatz Transformational Outsourcing. Ferri Abolhassan beschreibt die beiden Ausgangssituationen: Erstens, eine ERP-Suite deckt selbst unter optimalen Bedingungen lediglich 50 bis 60 Prozent aller IT-basierten Geschäftsprozesse ab; zweitens, die IT-Modularisierung auf Basis standardisierter Plattformen bei den wichtigsten Anbietern, wie SAP, Oracle, Software AG und Microsoft, hat für Systemarchitekten wie T-Systems ganz neue Möglichkeiten geschaffen.

Die IT-Historie hat den Anwendern zahlreiche Legacy-Applikationen gebracht. Erst mit dem langsamen Entstehen von ERP-Suites entwickelten sich tragfähige Standardanwendungen. Aber noch immer gibt es zahlreiche, wichtige IT-Altlasten, auch bei den SAP-Bestandskunden. Wer heute schon mehr als 60 Prozent seiner IT auf Standardapplikationen unter Verwendung einer IT-Plattformstrategie betreibt, kann sich zu den Pionieren zählen. Ferri Abolhassan verweist im Gespräch aber nachdrücklich auf den Umstand, dass die momentane Situation zwar historisch erklärbar ist, aber mittlerweile nicht so bleiben darf: SAP mit NetWeaver, Oracle mit Fusion und IBM mit WebMethods haben tragfähige und nachhaltige Plattformkonzepte in den vergangenen Jahren bereitgestellt. Nun gilt es für IT-Architekten, darauf eine neue Generation von Applikationen zu bauen. Und T-Systems will zukünftig nicht nur Outsourcing-Anbieter, sondern auch innovativer IT-Architekt sein.

Ganz zu Recht fragen die Analysten von Pierre Audoin Consultants (PAC): Mit welchem Dienstleister, respektive Lösungsansatz, sich die Transformation des SAP-Systems unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen bzw. Zielsetzungen erreichen lässt? Als Zielsetzung definieren hier die PAC-Analysten kurzfristigen ROI, Senkung der IT-Kosten, Optimierung des SAP-Systems, Schaffung von Business Value, Innovation und Flexibilisierung/Dynamisierung der SAP-Nutzung. Die Antwort von Pierre Audoin Consultants lesen Sie auf Seite 64.

Eine Definition von Ferri Abolhassan gibt Antwort und erklärt das Vorhaben von T-Systems: „Wir wollen alle Synergieeffekte für unsere Kunden nutzen“, erklärt er. Hierbei ist man sehr gut aufgestellt. T-Systems verfügt über umfangreiches Outsourcing-Know-how, zahlreiche ERP-Berater mit generischem und Branchenwissen, über technologische Erfahrungen auf den unterschiedlichen IT-Plattformen und über IT-Architekturen gleichermaßen wie über Telekom-Applikationen.

Wie kann der Anwender davon profitieren? Seit einigen Jahren entwickeln sich unterschiedliche Outsourcing-Konzepte zu nachhaltigen Kostensparprogrammen bei den Endanwendern. Für Abolhassan ist dieser Trend leicht durch die Tatsache der Economy-of-Scale erklärbar. „Wir haben bei T-Systems Tausende Kunden weltweit“, erklärt er, „damit aber auch die Erfahrung und das Wissen, wie man IT sehr effizient betreibt“. Durch interne Synergieaspekte und Know-how-Transfer können sehr häufig Outsourcer komplexe IT-Infrastrukturen kostengünstiger betreiben. Damit entsteht letztendlich sowohl für den Anwender wie auch den Anbieter die klassische Win-win-Situation.

Wichtig hierbei ist für Abolhassan, dass Transformational Outsourcing dem Kunden dabei hilft, Kosten zu sparen, die anschließend in neue Applikationen und Innovationen investiert werden können. Damit schließt sich der Kreis und das Resultat ist eine IT-Architektur auf höherem Qualitätsniveau. Bildlich könnte man sich das T-Systems-Vorhaben als eine Aufwärtsbewegung entlang einer dreidimensionalen Spirale vorstellen: Mit jedem Zyklus erklimmt man wieder ein höheres Niveau. Die Erkenntnis, dass im ERP-Bereich noch zahlreiche Baustellen existieren, ist nicht neu. Neu hingegen ist der von Ferri Abolhassan propagierte Architekturansatz. Primär wird das existierende System nicht durch weitere Module und Werkzeuge angereichert, sondern durch Analyse und Planung auf sein Entwicklungspotenzial hin überprüft. Ein Vorgehen hierbei ist etwa durch fortschreitende Integration Schnittstellen zu vermeiden, wie Abolhassan beispielhaft erklärt.

Eine weitere sehr innovative Überlegung ist der End-to-End-Ansatz bei den IT-Architekturen von T-Systems. Ferri Abolhassan merkt im Gespräch mit dem E-3-Magazin ganz zu Recht an, dass viele Konzepte im ERP-Bereich lediglich Ausschnitte einer Supply Chain betreffen. Er hingegen will zukünftig einen kontinuierlichen Informationsfluss vom Konsumenten zum Produzenten aufbauen. Und hierbei liegt es auf der Hand, dass T-Systems mit den Produkten und dem Wissen aus dem Mutterkonzern Deutsche Telekom besser als jeder andere Anbieter positioniert ist.

Die Forderung von konsistenten und nachhaltigen End-to-End-Szenarien mag vielleicht in dieser Konsequenz, wie T-Systems es versteht, für manche in der SAP-Community neu sein. Für Ferri Abolhassan hingegen ist diese umfassende Sichtweise seit langem gelebte Praxis. Bereits in einem beim Springer Verlag 2004 erschienen Buch „Innovation durch Geschäftsprozessmanagement“ schreibt Abolhassan: „Der nachweislich harte Wettbewerb erfordert zunehmend andere Maßnahmen. Dabei muss insbesondere die Optimierung der Prozesse im Vordergrund stehen. Ansatzpunkt hierzu sind einerseits die internen Logistikprozesse, wobei andererseits jedoch nicht übersehen werden darf, dass unternehmensübergreifende, kollaborative Prozesse zunehmend an Bedeutung gewinnen. Im Mittelpunkt der Logistikoptimierung muss dabei letztlich immer der Endkunde stehen.“ Aus heutiger Sicht ist der Textausschnitt fast als prophetisch zu bezeichnen, damals sollte er die Verantwortlichen in Handelsunternehmen hinsichtlich ihrer eigenen Logistik wachrütteln. Was sind heute die Herausforderungen? Aus dem Existierenden etwas Sinnvolles machen, und dieses dann erfolgreich betreiben! Ferri Abolhassan anerkennt die Leistungen der Plattform-Anbieter, wie SAP mit NetWeaver. Er betont aber, dass es für eine erfolgreiche SOA-Umsetzung (serviceorientierte Architekturen) naturgemäß eines Architekten bedürfe. Die Verbindung der beiden Welten, Legacy-Applikationen und ERP-Standard, das Beseitigen von Schnittstellen braucht Werkzeuge, Plattformen und Architekturkonzepte. Erfolg in der IT ergibt sich nur, wenn alles aus einem Guss ist, wie Abolhassan nachdrücklich betont. SOA ist demnach auch ein wichtiger Ansatz, um die Anwender im Sinne des Transformational Outsourcings auf ein höheres Niveau zu führen. Besonderen Wert legt Abolhassan auf die Tatsache, dass bei diesem Transformationsprozess auch operative Kosten eingespart werden. „Transformational Outsourcing ist nicht nur das Streben nach einem preiswerteren Endzustand, sondern wir bringen die T-Systems-Kunden auch auf eine höhere Innovationsebene – um weiter die TCO-Kosten zu senken.“ Dieser Kreislauf aus niedrigerer TCO und höherer Innovation ist ihm besonders wichtig, denn auch beim Kunden ändern sich die Geschäftsprozesse und Marktanforderungen, sodass immer wieder Reorganisationen anstehen. Bei diesem kontinuierlichen Prozess der Systemanpassung, Optimierung und Erweiterung sieht sich T-Systems als Partner, weil oft beim Kunden selbst die Ressourcen für dieses IT-Change-Management nicht vorhanden sind. Transformational Outsourcing ist somit auch ein kontinuierliches Streben nach mehr Innovation.

„Die Anwendungslandschaft vereinfachen, aufräumen, modernisieren und verschlanken ist eines der Ziele des Transformational Outsourcings“, erklärt Ferri Abolhassan abschließend. Und T-Systems sieht sich heute demnach als IT-Architekt, der auch Bauunternehmer sowie Betreiber und Verwalter ist. Für den SAP-Bestandskunden ergibt sich damit die Möglichkeit des One-Stop-Shoppping und die Konzentration auf seine eigene Kernkompetenz.

Die Top-10 Ferri Abolhassan-Statements:

Was macht T-Systems für SAP-Bestandskunden?
„Wir planen für Kunden die optimale ICT-Prozesslandschaft, bauen und betreiben diese.“

Was ist los mit SOA?
„Langsam wird SOA greifbar. Die T-Systems macht SOA für Kunden wirklich nutzbar.“

Wo gibt es SOA?
„Gute Plattformen für SOA gibt es von SAP, Oracle, der Software AG und Microsoft.“

Wie schaut die Anwendungslandschaft aus?
 „30 Prozent basiert auf Softwarestandards, aber 70 Prozent sind Legacy-Applikationen.“

Wie sehen Sie T-Systems?
„Wir sind IT-Architekten, aber auch Bauunternehmer und Betreiber.“

Was brauchen die Anwender?
„Einen durchgängigen Informations- und Kommunikationsfluss vom Konsumenten zum Produzenten.“

Wie funktioniert der Kommunikationsfluss?
„Durch die Konvergenz der Systeme. T-Systems hat das IT-Know-how,
die Netze – eben alles, was man für einen End-to-End-Workflow braucht.“

Was ist das Ziel?
 „Beim Kunden die Prozesse miteinander zu verbinden und das aus einer Hand anzubieten.“

Wie spart man Kosten?
„Durch Integration und Transformational Outsourcing.“

Ist Größe wichtig?
„Größe ist immer von Vorteil. Es gibt mehr Synergie. Mit unserer Größe bieten wir den Kunden einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil.“

E-3 Mai 2013
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