Jul/Aug
2006

Virtualisierung für reelle Maschinen

E-3 Magazin Juli/August 2006, Seite 28, Coverstory

Die Welt wird virtuell, aber die Probleme mit der IT sind noch real

Der alte Begriff Virtualisierung ist wieder in Mode. Dr. Joseph Reger, Chief Technology Officer von Fujitsu Siemens Computers: „Virtualisierung ist momentan ein stark missbrauchtes Wort mit je nach Situation und Sprecher ganz unterschiedlichen Erklärungen und Bedeutungen.“ Tatsache ist, dass Virtualisierung eine noch größere IT-Evolution bedeutet als der Übergang von der Mainframe-Technik zu Client/Server.

Das statische multi-tier Client/Server-Konzept ist am Ende seines Lebenszyklus. „Durchschnittliche Prozessoren von AMD und Intel haben heute schon zu viel Leistung für eine Anwendung“, erklärt Reger, „nur eine adäquate Virtualisierungsschicht wird in Zukunft die vorhandene Leistung sinnvoll verteilen können.“  Ein SAP-System besteht aus vielen Prozessen, die jeweils unterschiedliche Bedürfnisse haben. Die statische Zuordnung von Datenbanken und Applikationsserver auf dedizierte Hardware spiegelt das klassische Client/Server

Modell wider, ist aber bei weitem nicht mehr zeitgerecht. Die Heimat eines SAP-Applikationsservers ist vielmehr der Plattenstapel, wo die ABAP-Tabellen liegen. Heute werden SAP-Systeme dynamisch den passenden Servern zugeordnet und können zur Laufzeit auf andere Server übersiedelt werden. Die Zeiten des statischen 3-tier Client/Server-Computing sind vorbei, als der Rechenzentrumsleiter seinem Personalchef stolz verkündete: „Hier steht dein HR-Server.“

„Noch in diesem Jahrzehnt werden wir es erleben, dass die Applikationen sich automatisch und dynamisch eine virtuelle Infrastruktur schaffen, auf der sie dann ablaufen“, gibt sich Reger vom Fortschritt seiner Arbeit überzeugt. Was heute schon funktioniert, demonstriert er mit FlexFrame für mySAP. Fujitsu Siemens Computers hat den Trend frühzeitig erkannt und gemeinsam mit den Partnern SAP und Network Appliance FlexFrame for mySAP Business Suite entwickelt. Kaum eine IT-Konferenz, die nicht das Thema Virtualisierung behandelt. Auch prozessorientierte IT-Strategen reden inzwischen über virtualisierte Services auf Hardware- und Softwareebene, die in naher Zukunft wichtige Bausteine für das Modellieren von Geschäftsprozessen sein sollen. Das hat gute Gründe: Mittels Virtualisierung lassen sich Ressourcen von mehreren Anwendungen gemeinsam nutzen, und gleichzeitig kann die Leistungsfähigkeit der Ressource bedarfsgerecht zugeteilt werden. Virtualisierung reizt das ständig steigende Leistungspotenzial einer Hardware durch deren softwaregesteuerte Partitionierung aus. Damit verbessert sich der Return on Invest (RoI), aber auch die Performance und die Reaktionsfähigkeit, mit der sich die IT auf Veränderungen der Geschäftsprozesse einstellen kann.

Heute herrschen in den Rechenzentren so genannte Silo-Architekturen vor. Jede Anwendung arbeitet mit einem eigenen Server, der wiederum über eigene Speicher- und Backup-Komponenten verfügt. So sind die einzelnen Applikationen voneinander getrennt und stehen wie Silos nebeneinander. Sie können keine Ressourcen miteinander teilen und sich auch nicht gegenseitig aushelfen. Dies führt zu einer geringen Auslastung der Hardwarekomponenten. Denn die IT-Verantwortlichen eines Unternehmens müssen aus Gründen der Ausfallssicherheit jeden Silo so dimensionieren, dass er über ein Maximum an Ressourcen verfügt, um auftretende Spitzenbelastungen abzufangen. Da die Anwender im Unternehmen diese Maximallast nur in Ausnahmefällen auch abrufen, bleibt in der Praxis ein Großteil der vorhandenen Ressourcen ungenutzt, das betrifft sowohl die Rechenleistung als auch den Speicherplatz. Die Unternehmen müssen mehr Kapazitäten bereitstellen als sie eigentlich brauchen, was zu höheren Kosten und einem größeren Administrationsaufwand führt.

Statt Server, Anwendungen, Betriebssysteme und Speicher in ein starres Korsett zu zwängen, werden die verfügbaren Ressourcen zu einem Pool zusammengefasst. Je nach Bedarf stehen die zentralen Ressourcen für jede Anwendung zur Verfügung. Bei diesem bedarfsorientierten Konzept kann etwa die Personalabteilung bei Monatsabrechnungen  viele Server für das HR-Modul belegen oder die Finanzabteilung erhält für dringende Kalkulationen mehr Ressourcen. Der Schlüssel für diese flexible Nutzung ist ein universell und schnell arbeitendes Verfahren, um Aufgaben auf die vorhandene IT-Infrastruktur optimal zu verteilen. In FlexFrame wird dies über die Prinzipien Anwendungsvirtualisierung und Shared Operating System erreicht. Jede Anwendung kann so ohne Installationsaufwand innerhalb von Minuten auf jedem Server laufen. Die einzelnen Server müssen  nicht aufwändig vorkonfiguriert sein, vielmehr erkennt die Eigenintelligenz von FlexFrame z. B. neue Server automatisch und kann sie ohne Neuinstallation nutzen. Die integrierte Selbstüberwachung sorgt dafür, dass ein ausgefallener Dienst automatisch durch einen anderen Teil des Ressourcenpools ersetzt werden kann. Die IT-Infrastruktur passt sich also geänderten Anforderungen sehr schnell an. Diese Mechanismen ermöglichen eine wesentlich bessere Auslas-tung der vorhandenen Hardware als bisher.

Der deutsche IT-Papst für Visualisierung denkt aber weiter. Reger: „Künftig wird unsere Virtualisierungsschicht auf Basis von historischen Daten lernfähig sein. Meldet sich eine Anwendung zur Ausführung an, wird dynamisch zur Laufzeit eine ideelle Maschine gebaut. Das akkumulierte Wissen wird in einer virtualisierten IT-Architektur vollkommen automatisch den bestmöglichen Servern zur Verfügung gestellt.“ Weil schrittweise alle Ebenen eines IT-Systems, vom Prozessor bis zu der Business-Logik, virtuelle Konzepte bekommen, kann dieser Masterplan von Reger Wirklichkeit werden. In wenigen Jahren schon sollten passende SAP-Server jeweils aus primitiven IT-Bausteinen zur Laufzeit konfiguriert werden. Die virtuellen Server agieren in einem weiteren IT-Umfeld aus virtuellen Speichern und Netzwerkverbindungen. Die Lebenszeit dieser virtuellen Maschinen entspricht der Nutzungsdauer der betreffenden SAP-Applikation.

„Ursprünglich war Virtualisierung eine Abstraktionsmethode, die dazu diente, die Eigenarten einer Hardware zu verbergen oder umgekehrt dem Betriebssystem eine bessere Umgebung zu geben als es momentan die Hardware erlaubt“, erklärt Reger die Anfänge. Heute findet Virtualisierung auf jeder Ebene statt. „Wir werden alle zusammenarbeiten müssen, damit das Ziel erreicht wird“, betont er, ohne jedoch die Verantwortung als Plattformanbieter abgeben zu wollen. Er ist fest davon überzeugt, dass Virtualisierung in das Hoheitsgebiet von Fujitsu Siemens Computers fällt. Natürlich entwickelt auch SAP virtuelle Konzepte im Rahmen der Middleware-Initiative NetWeaver, aber diese Verfahren sind  auf SAP-Anwendungen abgestimmt und damit im Sinne eines ganzheitlichen Virtualisierungskonzeptes nicht universell einsetzbar. Wer heute unterschiedliche Anwendungen betreibt, sollte sich auch einen neutralen Lieferanten für ein zukünftiges, virtuelles IT-System suchen. „Virtualisierung muss von der Plattform kommen“, postuliert Reger.

Besonders wichtig ist ihm aber die Bereitschaft aller Hard- und Software-Anbieter zur Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Virtualisierung. Zweifellos folgen weitere Schritte in der Virtualisierung von IT-Infrastrukturen, wie die Initiative von Intel und AMD auf dem Gebiet der Betriebssystem-Virtualisierer zeigt. In einem ersten Schritt werden beide Chip-Produzenten die privilegierten Kernelbefehle des Prozessors allgemein zugänglich machen; bisher sind sie vom Betriebssystem, nicht aber von Anwendungen benutzbar. Fände die Virtualisierung dieser Kernelbefehle innerhalb des Prozessors statt, würde das einen robusteren Betrieb ermöglichen und weniger CPU-Leistung verbrauchen. „Wir werden ein virtuelles System auf Basis der neuen Prozessoren bauen können, das ohne Leistungsverlust bei der Skalierung arbeitet“, sagt Reger. Wahrscheinlich werden Intel und AMD bestimmen wollen, in welcher Form nicht nur der Prozessor, sondern der gesamte Rechner mit allen Ein- und Ausgabefunktionen virtualisiert wird. Intel hat seiner zunächst unter dem Namen Vanderpool bekannt gewordenen Technik mit Virtualization Technology (VT) inzwischen einen offiziellen Namen gegeben, bei AMD heißt das Pendant noch Pacifica.

Reger verleugnet nicht, dass es im ersten Moment furchterregend sein kann, wenn auf allen Ebenen virtualisiert wird. Und daraus entstehen noch jede Menge zu lösender Probleme. „Die Lizenzvergabe und die Abrechnung von Leistungen sind nur die vordergründigen“, erklärt er. Die alten CPU-bezogenen Lizenzmodelle lassen sich in einer virtuellen Infrastruktur sicher nicht mehr halten. Aber auch der von SAP eingeschlagene, umgekehrte Weg ist problematisch. Fast jeder Anwender ist lizenzpflichtiger SAP-User, wenn er mit einem SAP-System direkt, indirekt oder auch nur per Batch-Prozess in Kontakt kommt. In einer dynamischen, virtuellen IT-Landschaft ist das nie auszuschließen, alle Anwender sind auch SAP-Lizenzzahler.

Virtualisierung spielt eben auf der Ebene der Anwendungen eine ganz entscheidende Rolle: Softwarelösungen sollten nur noch einmal zentral installiert werden. Sie lassen sich dann je nach Bedarf auf verschiedenen Servern betreiben. Die bisher übliche feste Zuordnung zwischen Servern und Applikationen entfällt, was die Auslastung und Flexibilität im Verbund erhöht und eine wirtschaftlichere Nutzung der IT-Infrastruktur sicherstellt. Innovative Speicherlösungen verringern zudem die Komplexität der Speichereinbindung, da es keine exklusive Zuordnung  gibt. Die „Last“ wird dynamisch auf verfügbare Ressourcen verteilt. es kommt es zu einer effizienteren Auslastung des kostenintensiven Speichersystems. Hier setzt das FlexFrame-Konzept an: Statt Server, Anwendungen, Betriebssysteme und Speicher in ein starres Korsett zu zwängen, werden die verfügbaren Ressourcen zu einem Pool zusammengefasst. Was hier passiert, hat Michael Mißbach in seinem Buch „Adaptive Hardware-Infrastrukturen für SAP, Hardware-Lösungen und Kos-tenplanung“, beschrieben: In Folge des enormen Leistungszuwachses und der Verfügbarkeit von 64-bit Plattformen konnte das Problem der steigenden Anzahl von Rechnern mit immer schlechterer Auslastung durch die Konsolidierung mehrerer SAP Systeme auf einige wenige, leistungsfähige Rechner elegant gelöst werden. Der Betrieb mehrerer Softwaresysteme auf einer gemeinsamen Infrastruktur (Applikation Stacking) führte zu einer Auflösung der klassischen eins-zu-eins-Beziehung zwischen Soft- und Hardware zu einer Virtualisierung der Anwendungen und Ressourcen. (Quelle: SAP Press)

Auf das Problem der Lizenzberechnung in einer virtuellen Umgebung wurde schon eingegangen. Mißbach erwähnt hier noch ein SAP-typisches Problem: Spätestens 30 Tage nach der Installation wird für den Betrieb eines jeden SAP-Systems ein gültiger Lizenschlüssel benötigt. Dies gilt auch für nicht-produktive Systeme für Entwicklung, Qualitätssicherung und Training, auch wenn sie keine Lizenzgebühren kosten. Dieser Lizenzschlüssel enthält eindeutige Parameter des Rechners, auf dem die Zentralinstanz installiert wurde. Dadurch ist der Schlüssel nur auf diesem Rechner gültig. Wenn im Rahmen eines virtuellen Computing-Konzeptes jedes System potenziell auf jedem beliebigen Pool-Rechner betrieben werden soll, muss auch für jeden Rechner ein Lizenzschlüssel bereitgestellt werden (Quelle: Mißbach/HP). Hier kommt die Aufforderung von Reger zum Tragen: Eine virtualisierte IT-Infrastruktur gibt es nur durch Zusammenarbeit aller Beteiligten.

Mittels Virtualisierung lässt sich also die klassische Zuordnung von Systemen und Services im Rechenzentrum aufheben. Stattdessen entstehen Ressourcen-Pools mit Servern und Speichersystemen, auf die ein Service nach Bedarf zugreifen kann. Damit bildet Virtualisierung den Kern des dynamischen Rechenzentrums, das sich unter anderem dadurch auszeichnet, dass sich der Nutzungsgrad der vorhandenen Ressourcen stark verbessert. Dazu ist allerdings eine optimale Kontrolle und Steuerung der Pools, also eine einheitliche Management-Schicht, notwendig. Auch hier muss noch Entwicklungsarbeit geleistet werden. Für die Zukunft wäre vorstellbar, dass sich der mit ARIS von IDS Scheer konzipierte Business-Prozess aus virtuellen IT-Bausteinen eine temporäre, reelle Maschine konstruiert. Noch gibt es für den IT-Leiter kein adäquates Verrechnungsmodell für die benutzte IT-Leistung.

„Wenn aber Hardware-Grenzen verschwinden, können die Ressourcen besser genutzt werden“, erklärt Reger und denkt, dass auch die Probleme der Leistungs- und Lizenzverrechnung bald schon hinlänglich gelöst sein werden. „Es wird in einem virtuellen System ein Art Währungsverrechnung und Clearinghouse geben müssen“, skizziert er eine erste Lösung. Auf keinen Fall darf eine Multi-Virtualisierung auf Kosten des jeweiligen Partners gehen. Und hier ist eine leise Kritik gegenüber SAP bei Reger nicht zu überhören. „FlexFrame schafft die optimale SAP-Landschaft, dynamisch und eben nicht statisch“, gibt sich der Virtualisierungs-Papst in der IT-Szene überzeugt. FlexFrame ist Bestandteil der TRIOLE-Strategie von Fujitsu Siemens Computers zur Optimierung der Effizienz, Flexibilität und Kontinuität von IT-Infrastrukturen für Unternehmensanwendungen. Im Zentrum stehen die drei Grundprinzipien: Virtualisierung, Automatisierung und Integration. Sie sorgen dafür, dass die vorhandenen IT-Ressourcen reibungslos zusammenspielen und optimal ausgelastet sind. Um die Leistung von Servern und Speichern effizient zu koppeln, nutzt FlexFrame die Prinzipien des Grid Computing. Als Gründungsmitglied der Enterprise Grid Alliance (www.gridalliance.org) hat Fujitsu Siemens Computers damit einen erfolgreichen Schritt zum Grid Computing für Geschäftsanwendungen getan (siehe auch Seite 34 dieser Ausgabe). Im Rahmen von SAP NetWeaver ist FlexFrame zudem eine erste Realisierung des Adaptive Computing Konzepts der SAP.

FlexFrame for mySAP Business Suite lässt sich nahtlos von 50 bis hin zu mehreren tausend Anwendern skalieren. Damit eignet sich die Lösung gleichermaßen für mittelständische Betriebe und große Unternehmen. Dazu bietet das Produkt einen großen Nutzen auch für Anwender, die ihre SAP-Umgebung noch nicht auf mySAP ERP migriert haben. FlexFrame unterstützt nämlich auch R/3 Enterprise. Laufen die SAP-Installationen einmal in einer FlexFrame-Umgebung, so ist ein Upgrade aller Systeme auf ein neues SAP-Release deutlich einfacher als in klassischen Rechenzentren, da die IT-Abteilungen in solch einem Szenario ihre Infrastruktur nur ausbauen und nicht erneuern müssen. Insgesamt lässt sich sagen, dass FlexFrame die Betriebskosten um mehr als 60 Prozent reduzieren kann, da mit diesem Sys-tem vor allem die Administrationskosten deutlich sinken. Dynamische Rechenzentren lösen dieses Problem, da sie vollständig modular aufgebaut sind. Die Rechenleitung, der Speicher und auch die Backup-Komponenten sind alle in einem gemeinsamen Pool und werden den einzelnen Applikationen je nach Bedarf flexibel zugewiesen. Um dieses Konzept umzusetzen, ist es erforderlich, die genannten Bestandteile zu virtualisieren.

Im Fall der Server-Umgebungen ermöglicht zum Beispiel der Einsatz virtueller Maschinen eine dynamische Bereitstellung von Rechenkapazitäten für die einzelnen Anwendungen. Diese virtuellen Maschinen enthalten jeweils ein Server-Betriebssystem mit virtueller Hardware und Applikationen. Sie arbeiten voneinander getrennt auf einer gemeinsamen, leistungsfähigen Hardware, wie etwa einem Primergy-Serversystem. Stellt das Kontrollzentrum des dynamischen Rechenzentrums fest, dass die Ressourcen für eine bestimmte Applikation nicht mehr ausreichen, so kann es on the fly weitere virtuelle Maschinen zur Verfügung stellen oder sogar neue virtuelle Maschinen installieren, um den Kapazitätsengpass zu beseitigen. Ähnlich läuft die Virtualisierung auch im Speicherbereich und bei den Backup-Medien (mit virtuellen Tape-Libraries) ab.

Die Applikationen eines dynamischen Rechenzentrums können also immer die Bausteine aus ihrer Umgebung nutzen, die sie gerade benötigen. Alle Komponenten sind zentral zugänglich, so genannte Speicherinseln (in denen die Anwendungsdaten jeweils „für sich“ untergebracht sind) gehören somit der Vergangenheit an. Wenn der Speicher knapp wird, müssen die Mitarbeiter nur dem Gesamtsystem neue Kapazitäten hinzufügen. Das spart nicht nur Arbeitszeit, sondern auch Investitionskosten in neue Hardware.

Die Virtualisierungstechnik von FSC hilft jedenfalls den SAP-Kunden, Betriebskosten zu senken, Komplexität zu reduzieren und die Flexibilität für die kommerzielle Nutzung ihrer Applikationen zu erhöhen: Fujitsu Siemens, allgemein von Experten als Pionier auf dem Gebiet von dynamischen IT-Lösungen wie z. B. FlexFrame anerkannt, hebt die Virtualisierung somit auf eine neue Ebene. Es existieren schon jetzt viele Applikationen, die parallel auf verschiedenen Servern laufen und die sich deshalb für den Einsatz in dynamischen Rechenzentren eignen. Dazu gehören unter anderem Web-, Terminal-, File- und Printservices. In Zukunft werden noch weitere Lösungen dazukommen. Bei Anwendungen wie SAP oder Oracle stellen die FlexFrame-Lösungen von Fujitsu Siemens Computers eine Möglichkeit dar. FlexFrame for mySAP Business Suite virtualisiert beispielsweise die SAP-Anwendungen vollständig und entkoppelt sie von der dazugehörigen Hardware. Somit steht dem Einsatz des Produkts in einer dynamischen und virtualisierten Umgebung nichts im Weg.

FlexFrame ist eine innovative und generische Technologie, die aber für jede Applikation kompiliert werden kann, und dabei hat sich Fujitsu Siemens Computers natürlich im ersten Schritt auf die SAP-Infrastruktur konzentriert. Doch  nicht alles ist SAP und somit hat man noch ein Stück Arbeit vor sich. Nur mit SAP hat man  seit vielen Jahren die meiste und beste Erfahrung, es war also naheliegend, hier den ersten Schritt zu machen. Die normalen IT-Infrastrukturen, die heute in der Regel für SAP-Installationen zum Einsatz kommen, sind sehr komplex und starr. Daher lassen sie sich nur schwer an veränderte Rahmenbedingungen anpassen. Verwendet ein Unternehmen beispielsweise im klassischen, dreistufigen Aufbau seiner SAP-Umgebung acht Module der mySAP Business Suite, dann müssen die zuständigen Mitarbeiter zahlreiche Datenbanken einrichten und betreiben. Wie beim Silo-Ansatz üblich, verfügt jeder Server über ein eigenes Betriebssystem und eigene Anwendungen. Alle Systeme müssen zudem in einem Netzwerk zusammenarbeiten und Zugriff auf eine leistungsfähige Speicherarchitektur haben. FlexFrame for mySAP Business Suite ersetzt diese aufwändige Umgebung nun durch ein Virtualisierungskonzept, das den Administratoren ermöglicht, über die bereits angesprochene Virtualisierung der IT-Ressourcen alle Anwendungsdienste innerhalb eines Servernetzwerkes zu starten, zu beenden und sogar zwischen den Servern zu verschieben. Jedes SAP-Service ist somit auf jedem Server des FlexFrame-Verbundes lauffähig. Sowohl die SAP-Software als auch das jeweilige Betriebssystem (Linux oder Solaris) befinden sich in einem zentralen Speicher, der sich von allen Systemen aus nutzen lässt. Eine Kontrollinstanz sorgt dafür, dass das Betriebs-system automatisch über das Netz auf den jeweiligen Servern gestartet wird.

Fujitsu Siemens Computers bietet ab sofort eine virtualisierte Serverlösung für SAP Adaptive Computing in Microsoft-Umgebungen an. Der PRIMERGY BladeFrame hat den Anfang Mai diesen Jahres durchgeführten SAP Adaptive Computing Compliance-Test erfolgreich bestanden. Damit präsentiert Fujitsu Siemens Computers nach FlexFrame for mySAP Business Suite, der ersten zertifizierten Infrastrukturlösung für SAP Adaptive Computing für Linux und Unix, auch eine dynamische Plattform für SAP-Applikationen in Microsoft-Umgebungen. Mit PRIMERGY BladeFrame powered by Egenera können Unternehmen ihre mySAP Business Suite-Plattform konsolidieren und weitere Microsoft-basierte Anwendungen mit dem Microsoft Sys-tem Center einfach und transparent verwalten. „Der Erfolg der Lösung, mittlerweile von mehr als 100 Kunden genutzt, zeigt uns, wie sehr wir die Bedürfnisse der Unternehmen erreichen und befriedigen. Es ist nur konsequent, wenn wir SAP-Kunden eine Lösung im Sinne des Dynamic Data Center bieten, die SAP Adaptive Computing in Microsoft-Umgebungen unterstützt“, so Bernd Kosch, Vice President Alliances bei Fujitsu Siemens Computers. „PRIMERGY BladeFrame ermöglicht SAP-Anwendern, alle Unternehmens-Applikationen, die auf Microsoft-Plattformen laufen, in ein- und derselben Umgebung zu virtualisieren und alle Vorteile dieser Infrastrukturlösung zu nutzen. Mit diesem Schritt hin zum dynamischen Rechenzentrum können Unternehmen die Komplexität und Kosten ihrer IT-Infrastruktur deutlich senken.“

Fujitsu Siemens Computers hat Ende vergangenen Jahres den PRIMERGY BladeFrame powered by Egenera als eine weitere Lösung seiner Dynamic Data Center-Strategie vorgestellt. PRIMERGY BladeFrame ist ein dynamisch nutzbarer Serverpool, in dem die einzelnen Rechnerknoten aus so genannten zustandslosen (stateless) Servern mit CPU und Hauptspeicher bestehen. Sie nutzen gemeinsam virtuelle I/O-Schnittstellen, die von der Software PAN Manager (Processing Area Network) zugeordnet werden. Die integrierte Virtualisierung ermöglicht eine freie, dynamische Zuordnung von Applikationen zu den Ressourcen im PRIMERGY BladeFrame. Der Adaptive Computing Compliance-Test hat gezeigt, dass diese dynamische Zuweisung von BladeFrame Ressourcen zu den SAP-Applikationen reibungslos funktioniert. Damit kann jede SAP-Applikation zu jeder Zeit auf jedem Server des PRIMERGY BladeFrame bereitgestellt werden. Das Ergebnis ist eine erheblich vereinfachte SAP-Infrastruktur, wesentlich reduzierte Betriebskosten und eine anpassungsfähige IT, die sich jederzeit nach Bedarf auf veränderte Anforderungen einstellt und hoch skalierbar ist. Darüber hinaus sorgen neue Disaster Recovery-Möglichkeiten für eine hohe Zuverlässigkeit des IT-Betriebs.

„EMC hat mit großer Begeisterung mit Fujitsu Siemens Computers für deren ersten SAP Adaptive Computing Compliance-Test auf Windows zusammengearbeitet“, so Chuck Hollis, EMC Vice President für Strategic Technology Alliances. „Die Integration von EMC-Speichersystemen in Fujitsu Siemens Computers PRIMERGY BladeFrame bringt den gemeinsamen Kunden Vorteile hinsichtlich verbesserter Produktivität, Flexibilität und Gesamtkosten ihrer SAP-Umgebung. Die Skalierbarkeit, Performance und Verfügbarkeit des EMC Clarion Networked Storage Systems, das Fujitsu Siemens Computers unter der Marke FibreCAT anbietet, ermöglicht maximale Auslastung der Storagekapazitäten und hohen Datenschutz. Die gemeinsame Lösung bietet sogar bessere und prognostizierbare Service Levels in der mySAP-Umgebung an.“ Auch bietet die Serverlösung eine gute Plattform, um Windows-Umgebungen zu konsolidieren und das Systemmanagement zu vereinfachen. Mit dem System Center stellt Microsoft eine Lösung bereit, die den Anwendern unter anderem einen einfacheren Betrieb ihrer Systeme, schnellere Fehlerbehebung und eine bessere Planung der Ressourcen ermöglicht. Adaptive Computing on Windows unterstützt diese optimierte Verwaltung der IT-Umgebung durch die Integration des PRIMERGY BladeFrame PAN Manager-Software mit dem Microsoft Office Manager 2005. Damit ist z. B. sichergestellt, dass sich die Infrastrukturlösung transparent in ihrer IT-Umgebung über eine Benutzerschnittstelle administrieren lässt.

Dr. Joseph Reger, Chief Technology Officer bei Fujitsu Siemens Computers, meint: „Unsere Kunden erwarten Lösungen, die ihnen helfen, ihre Rechenzentren so aufzubauen oder anzupassen, dass sie die übergeordneten Geschäftsziele unterstützen. Unser Virtualisierungskonzept, eine Technologie, die bereits in den besten Rechenzentren in der ganzen Welt eingesetzt wird, hebt das Dynamic Data Center auf das nächste Niveau.“

Quelle: www.fujitsu-siemens.de


Adaptive Computing, Dynamic Data Center, Grid Computing, etc.

Mehr als die Summe der Einzelteile

Technologie, das Wissen über die Technik, ist für die Beherrschung komplexer IT-Architekturen entscheidend. Fujitsu Siemens hat sich in den vergangenen Jahren zum technologischen Vorreiter entwickelt. Heute profitieren nicht nur Kunden, sondern auch Anbieter wie SAP oder Oracle von dem intellektuellen Potenzial

Die in der SAP-Community vor der Einführung stehende Datenbank Oracle 10g wurde speziell für das Grid Computing im Unternehmensbereich entwickelt, beschränkt sich aber auf fest zugeordnete und entsprechend vorkonfigurierte Server. FlexFrame for Oracle erweitert die Funktionalität dieser Grid Technologie entscheidend, indem es die Oracle-Services komplett von der zugrunde liegenden Hardware trennt. So lässt sich die Oracle Fusion Middleware zusammen mit geschäftskritischen Anwendungen und den entsprechenden Datenbanken auf jedem Server innerhalb eines Server-Pools betreiben. FlexFrame for Oracle übernimmt dabei vollautomatisch die Versorgung der Server mit dem Betriebssystem und allen benötigten Oracle-Services. FlexFrame for Oracle ist unabhängig von einem speziellen Lösungsanbieter konzipiert und lässt sich für beliebige Individual- und Standardanwendungen aus den unterschiedlichsten Marktsegmenten einsetzen, die auf Basis von Oracle Application Server und Oracle Datenbanken realisiert sind.

Grid Computing ist ein in IT-Fachkreisen heiß diskutiertes Thema: Hinter dem Begriff verbirgt sich ein zukunftsorientierter Ansatz zur effizienten Verteilung, Zuordnung und Nutzung von Hard- und Software-Ressourcen. Henning Kagermann nahm vor über einem Jahr anlässlich seiner CeBIT 2005-Eröffnungsansprache auch zu technologischen Punkten wie Adaptive- und Grid-Computing Stellung:  „Informations- und Kommunikationstechnologie ist im Alltag überall präsent, in der Wirtschaft, der Wissenschaft und im Privatleben. Sie ist in vielen Bereichen unsichtbar und wird als selbstverständlich hingenommen. Das Zusammenwachsen von IT, Kommunikation und Entertainment verstärkt diesen Trend. Andererseits warten einige technologische Entwicklungen noch auf ihren flächendeckenden Einsatz, so etwa IP Networks, Voice over IP, Grid Computing oder UMTS. Dr. Joseph Reger, Chief Technology Officer bei Fujitsu Siemens Computers, erklärt die Vorteile von GRID- und Adaptive-Computing: „Damit Computing on Demand kein leeres Schlagwort bleibt, muss die IT-Infrastruktur von morgen mehr bieten als nur hochverfügbare CPUs und Speicher. Wir brauchen eine universelle Plattform, auf der Anwendungen ausfallssicher und performant laufen und die sich innerhalb von Minuten neuen Geschäftsanforderungen anpasst – ohne gleich ein Loch ins Budget zu reißen.“

Fest zugeordnete und vorkonfigurierte IT-Ressourcen in Rechenzentren führen vielerorts zu unwirtschaftlichem Einsatz von Hard- und Software. Zudem verursachen sie einen hohen Administrationsaufwand. Grid Computing bietet einen Ausweg aus dieser Kostenfalle. Der Begriff wurde durch die Assoziation mit dem elektrischen Stromnetz (engl.: Power Grid) geprägt. Grundgedanke des Grid Computing war es, Rechenkapazität in gleicher Weise universell und transparent zur Verfügung zu stellen, wie man es von der alltäglichen Stromversorgung gewohnt ist. Das US-Marktforschungsunternehmen IDC sagt voraus, dass innerhalb der nächsten fünf Jahre eines von fünf Unternehmen auf innovative Grid Computing-Konzepte wechseln wird: Damit Unternehmen schon bald von der gesamten Bandbreite der Vorteile profitieren können, arbeiten Systemhersteller nachdrücklich an der Verbesserung ihrer Lösungen. Wesentliche Merkmale von Grid Computing lassen sich anhand der Begriffe Utility Computing, Virtualisierung und Automatisierung erklären: Das so genannte Utility Computing stellt Unternehmen IT-Ressourcen bedarfsorientiert zur Verfügung (use what you need) und trägt dafür Sorge, dass diese Ressourcen – einschließlich kleiner Standardsysteme, auch verbrauchsorientiert abgerechnet werden (pay what you use). „Die Zeit ist reif für eine neue Klasse von Innovationen in der Unternehmens-IT. Waren früher schneller-größer-schöner entscheidende Faktoren, so zählen für IT-Betreiber heute vielmehr Kosteneffizienz, konsequente Orientierung an Geschäftsprozessen und maximale Flexibilität“ bringt Dieter Herzog, Executive Vice President Enterprise Products bei Fujitsu Siemens Computers, die Ausgangslage auf den Punkt. „Die Anwender erwarten zudem von der IT-Infrastruktur heute mehr denn je eine absolute Zuverlässigkeit ohne Performanceprobleme oder Wartezeiten.“

Erste Lösungskonzepte, die wesentliche Aspekte der eingangs beschriebenen Charakteristika umsetzen, wurden bereits erfolgreich am Markt eingeführt. Im SAP-Umfeld hat sich mit NetWeaver und der dazugehörigen SAP Adaptive Computing Infrastructure bereits einiges getan: Mit FlexFrame von Fujitsu Siemens Computers erreichte das erste Produkt die Marktreife und kommt bereits bei einer Vielzahl von Kunden wie Hella, T-Systems oder RUAG erfolgreich zum Einsatz.

Adaptive und Grid Computing sind speziell im NetWeaver-Umfeld der SAP mehr ein Konzept als reale Technik. Die Schlüsseltechnologien für das Adaptive-Computing-Konzept ist Virtualisierung, also die Trennung von Anwendungssoftware, Betriebssystem und Hardware sowie Automatisierung. Die Virtualisierung ermöglicht es, jeden Oracle Application Service auf jedem Server in der Infrastruktur bereitzustellen, beziehungsweise dessen Ressourcenzuweisung bei Bedarf dynamisch zu ändern. Dazu wird der gesamte Softwarestack (Betriebssystem, Middleware, Anwendungen) auf einem zentralen Speichersystem vorgehalten. Bei Inbetriebnahme wird jeder Server mit dem Betriebssystem und der erforderlichen Anwendungs- oder Datenbanksoftware versorgt. Eine Server-Farm in einer SAP-Infrastruktur kann so mit allen benötigten Services schnell installiert und eine bestehende Konfiguration einfach erweitert werden. Zusätzlich benötigte Rechner lassen sich nach vordefinierten Regeln automatisch hinzufügen und ohne langwierige Installationsvorgänge von allen Anwendungen nutzen.

Werden Abweichungen von Service Level Agreements (SLAs) registriert, führt FlexFrame for Oracle nach vordefinierten Regeln automatisch entsprechende Adaptionsmaßnahmen durch. Dazu gehört beispielsweise der Neustart eines durch Hardware-Defekt ausgefallenen Dienstes auf einem neuen Server oder die vorübergehende Umwidmung eines Testsystems zu einem Oracle Application oder Database Server. Weiter können Oracle-Dienste dynamisch über Hardwaregrenzen hinweg hinzugefügt werden, wenn diese mehr Rechenleistung benötigen. Das alles erfolgt im Rahmen von FlexFrame unter der Virtualisierungsschicht für den Anwender vollkommen transparent und automatisch. Grid Computing ermöglicht es also, die Ressourcen Server, Speicher, Applikationen und Prozessoren in einem Netzwerk zusammenzufassen, um ihre Kapazitäten in einem virtuellen Pool gemeinsam zu nutzen. Eine dynamische Lastverteilung zwischen mehreren unterschiedlichen Systemen ersetzt dabei die starre Zuordnung von Anwendungen und Servern. Das Ergebnis ist eine Service-orientierte Architektur (SOA), in der Geschäftsprozesse als IT-Dienste organisiert sind, die nach Bedarf Systemressourcen anfordern können und diese ad hoc zur Verfügung gestellt bekommen. Vor allem Unternehmen mit geschäftskritischen Anwendungen, deren Ressourcenanforderungen saisonal, aufgrund regelmäßiger Standardaufgaben wie Lohnbuchhaltung, Monatsabschluss oder bedingt durch spezielle Initiativen stark schwankt, profitieren von der optimierten Ressourcenauslastung und der erhöhten Flexibilität, die diese Technologie ermöglicht. Investitionen in die IT sind für Unternehmen heute ein entscheidendes strategisches Mittel, um die Geschäftsziele zu erreichen. Diesem Zweck kann die IT aber nur gerecht werden, wenn die Infrastruktur in der Lage ist, flexibel und dynamisch auf aktuelle Business-Anforderungen zu reagieren. Gleichzeitig müssen die vorhandenen IT-Ressourcen konsequent und damit auch wirtschaftlich eingesetzt werden. Fujitsu Siemens Computers hat sich diesem Ziel mit seinem Konzept des Dynamic Data Center verschrieben und mit FlexFrame for Oracle einen weiteren Meilenstein in Richtung des dynamischen Rechenzentrums entwickelt. Als End-to-End-Infrastruktur für Applikationsserver- und Datenbank-Services  nutzt die Dynamic IT-Lösung die Grid Computing Fähigkeit von Oracle aus. Unternehmen profitieren durch Effizienz und Flexibilität bei geschäftskritischen Anwendungen.

FlexFrame for Oracle wird als vorinstallierte und vorkonfigurierte Hardware- und Softwarelösung bereitgestellt, die individuell an die Umgebung des Kunden angepasst wird.

Quelle: www.oracle.com und www.fujitsu-siemens.de

E-3 Magazin: Ausgabe Juli/Augugst 2010

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