E-3 Magazin, Mai 08, Seite 88, Infrastruktur
Mobile Anwendungen in Lager und Versand mit SAP WM
Es ist noch gar nicht so lange her, dass der typische Arbeitstag eines Kommissionierers für den Wareneingang oder -ausgang mit dem Empfang eines zumeist langen Ausdrucks begann. Mit der „Ameise“ oder auf dem Gabelstapler machte er sich auf den Weg ins Lager und hakte Posten für Posten auf seiner „Kommiliste“ ab.
Zwischenzeitlich wurde das Kommissionieren mit Papier und Bleistift bei einigen Unternehmen durch sogenannte „Offline“-Geräte ersetzt. Zum Abgleich von Lager- und gesammelten Versanddaten werden diese dann an Schnittstellen zum Server „angedockt“, die gesammelten Informationen also mit zeitlichem Verzug (d. h. „asynchron“) verbucht.
Aber erst Funk und WLAN machen zeitgleiche, synchrone Buchungen und Abfragen vor Ort möglich. Die dadurch bedingte Zeitersparnis steigert die Produktivität in der Lager- und Versandlogistik und senkt die Fehlerrate durch veraltete Daten auf ein Minimum.
Die Autoren Dirk Eichholz, Jan-Martin Lichte, Hans-Georg Nüvemann von der clavis berater sozietät Unternehmensberatung GmbH beschreiben im SAP-Heft 34 „Anwendungen in Lager und Versand mit SAP WM“, was ist in der Lagerverwaltung neuester Stand der Entwicklung ist.
Mit Online-Lösungen wie clavisMobileWM lässt sich jede Warenbewegung über Barcodes in Sekundenschnelle direkt vor Ort erfassen und in Echtzeit im zentralen System verbuchen – ohne zusätzliche Laufwege und ohne Synchronisationsaufwand. Die mobilen Endgeräte mit grafischem Bildschirm sind über WLAN mit einem SAP-System verbunden – und erlauben es, in ABAP/4-programmierte Transaktionen fast wie am PC auszuführen. Die gespeicherten Daten stehen sofort im angebundenen SAP-System zur Verfügung. Vom Wareneingang über die Lagerung und Produktionsversorgung bis hin zur Kommissionierung und zum Warenausgang werden so alle relevanten Bereiche optimal abgedeckt.
Der Ratgeber bietet Beratern, Mitgliedern im Implementierungsteam und Key-Usern einen wertvollen Projektleitfaden für den Einsatz mobiler Anwendungen auf Basis von SAP WM.
Dabei führen die Autoren – allesamt gestandene Unternehmensberater – den Leser nicht nur mit viel technischem, sondern auch beachtlichem journalistisch-didaktischen Sachverstand durch die mitunter recht „kniffelige“ Materie.
Anhand zweier durchgängiger Beispiele aus der chemischen Industrie bzw. dem Maschinenbau bietet das Buch Entscheidungshilfen für die Systemkonfiguration, die technische Realisierung sowie die Ablaufsteuerung.
Es beleuchtet systematisch den kompletten Materialfluss im Lager und im Versand. Und es zeigt auf, an welchen Stellen man mobile Optimierungspotenziale erschließen kann – sei es mit von SAP bereitgestellten Standardtransaktionen oder aber durch selbst entwickelte Anwendungen.
Das verständlich geschriebene, mit vielen Screenshots angereicherte Kompendium gibt Anleitungen und Empfehlungen für den Arbeitsalltag, zeigt zahlreiche Beispiele auf und spricht Warnungen dort aus, wo die Mühsal der Praxis Fallstricke bereithält.
Nach der Erläuterung der „Weichenstellungen“ zu Projektbeginn (wie z. B. die Entscheidung pro oder contra Lagereinheitenverwaltung bzw. Handling-Unit-Management) beleuchtet das Buch systematisch die logistischen Geschäftsprozesse (Wareneingang der Rohstoffe, Produktionsversorgung, Wareneingang von Fertigerzeugnissen, Kommissionieren und Verpacken, Laden und Transport, Inventur).
Es wird auch auf spezielle Konstellationen wie z. B. Lagereinheitenverwaltung und Handling-Unit-Management eingegangen. Hinzu kommen Ansätze zur Erweiterung des SAP-Standards, dort, wo die ausgelieferten RF-Transaktionen noch keine zufriedenstellende Lösung bieten.
Die Darstellung basiert auf SAP R/3 Enterprise (4.7), eignet sich durch durchgängige Deltadarstellung aber auch für ECC 5.0 und 6.0.
Darüber hinaus liefern die Autoren auch ausführliche Hintergrundinformationen über die für die Entwicklung und den Einsatz von mobilen Anwendungen erforderliche Hardwareausstattung. Neben der technischen Infrastruktur, die für den Aufbau eines WLAN benötigt wird, behandeln sie die „Problemzonen“ eines Firmen-Netzwerkes wie Ausfallsicherheit und Zugangsschutz. Fakten und Empfehlungen zu der Auswahl der Scannerhardware und Etikettendruckern vervollständigen diesen Teil des Heftes. Das Kapitel schließt mit einem Ausblick in die nahe Zukunft.
Neben der SAP-Standardsoftware sind noch eine Reihe weiterer Softwareprodukte erforderlich, um die Geschäftsprozesse „zum Laufen zu bringen“. Das Heft zeigt, wie die mobilen Endgeräte über die SAP-WebConsole bzw. ihrem älteren Bruder, der SAP-Console, an den SAP-Server angebunden sind.
Im Gegensatz zur SAP Console setzt die SAP-WebConsole die vom SAP-Server gelieferten SAP-GUI-Daten in HTML-Code um. Dieser lässt sich auf dem Endgerät mithilfe eines Browsers darstellen. Ist die SAP-WebConsole noch problemlos zu installieren, wird es jedoch bei der Browserauswahl auf dem Endgerät kompliziert (unterschiedliche Belegung der F-Tasten, unnötige Funktionen). Zur Beseitigung dieser Probleme liefert das Büchlein auch hier wertvolle Tipps.
Mit dem Release NetWeaver 7.1 und höher wird die SAP-WebConsole nicht mehr länger für SAP-Systeme unterstützt. SAP empfiehlt stattdessen, auf die firmeneigene Technologie ITS (ITSmobile) umzusteigen, die u. a. auch in der Lage ist, Cascading Styles Sheets zu interpretieren. Die clavis berater sozietät Unternehmensberatung GmbH konnte ein Projekt mit ITSmobile bereits erfolgreich implementieren. Ein ausführlicher Erfahrungsbericht zu diesem Thema wird demnächst in diesem Magazin zu lesen sein.
Offline-Lösungen im Lager sind noch immer weit verbreitet, so dass auch hier auf die prinzipiell benötigten Softwarebausteine für eine solche Lösung eingegangen wird. Die Darstellung der SAP-Standardtransaktionen und Erweiterungen des Funktionsumfangs runden das abschließende Kapitel ab.
Der Band enthält aktuelle Web-/Literaturhinweise, ein Beispielcoding zu einem Artikel sowie ein ausführliches Glossar.
Neben fundiertem SAP-Know-how im Modul SAP Logistics Execution (LE) setzen die Autoren sehr gute Kenntnisse in dem mit LE integrierten Modul SAP Materials Management (MM) und in den mit LE verzahnten Prozessen der Produktion (Modul SAP Production Planning, PP) voraus.
Autoren: Dirk Eichholz, Jan-Martin Lichte, Hans-Georg Nüvemann
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